Fanal zur Umsetzung der Gleichstellung

Mit dem Positionspapier „50 Jahre Frauen im Pfarramt“ hat die Arbeitsgruppe „Pfarrerinnen“ des Pfarrvereins des Kantons Zürich ein deutliches Fanal gesetzt zur vollen Umsetzung der Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen.

Pfrn. Esther Gisler Fischer

Pfrn. Esther Gisler Fischer

2013 dürfen die Zürcher Pfarrerinnen feiern: 50 Jahre sind vergangen, seit sie die Möglichkeit erhalten haben, in ein Pfarramt gewählt zu werden. Das neue Kirchengesetz von 1963 mit dem aktiven und passiven Stimm- und Wahlrecht für alle evangelisch-reformierten Zürcherinnen machte dies möglich – notabene acht Jahre, bevor dies auch auf staatlicher Ebene Realität wurde. Nebst der Würdigung des Erreichten am Jahrestag der denkwürdigen Ordinationen, dem 17. November 2013, wird jedoch auch genau hingeschaut auf weiterhin bestehende Ungleichheiten.

Rechtzeitig hat jetzt dazu eine Arbeitsgruppe des Zürcher Pfarrvereins ein Positionspapier vorgelegt, in dem die heutige Situation der Pfarrerinnen im Kanton beleuchtet und Vorschläge zu deren Verbesserung gemacht werden. Das Papier besticht durch eine profunde und kritische Analyse des Ist-Zustands und fordert Massnahmen: So soll d
ie Kirche als Arbeitgeberin der veränderten gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen und Stellenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, Care- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt auf beide Elternteile zu verteilen. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass über zwei Drittel der Pfarrerinnen Teilzeit arbeiten, während bei den männlichen Kollegen das Verhältnis genau umgekehrt ist. Die Stellensituation im Pfarramt sei damit für Pfarrerinnen unsicherer, da gesplittete Stellen und Ergänzungspfarrstellen bei Gemeindefusionen oft als erste gestrichen würden. Fusionen und Stellenkürzungen dürften daher nicht in erster Linie zulasten von Teilzeitstellen gehen. Pfarrerinnen seien zudem in leitenden Positionen in der Zürcher Landeskirche untervertreten, heisst es im Papier. Im Kirchenrat fehlten sie sogar ganz. In keinem Gremium erreicht ihr Anteil 38 Prozent (der Prozentsatz entspricht dem Anteil der Frauen im Pfarramt). Die Arbeitsgruppe fordert deshalb eine Zielvorgabe von 40 Prozent Frauen in kirchlichen Leitungspositionen. 

Im weiteren orientiere sich die Residenzpflicht im Pfarrhaus am alten Bild des Pfarrers, der 100 Prozent arbeite und Familienvater sei. Die Wohnsitzpflicht und die Residenzpflicht sollen deshalb neu diskutiert werden.

Das Papier ist wichtig und notwendig in einer Zeit, wo sich Kirchen allgemein in einem schmerzhaften Prozess des Rückbaus befinden; so auch die zürcherische: Die finanziellen Ressourcen werden weniger, die Aufgaben jedoch nicht geringer. Bedingt wird diese Entwicklung durch den Bedeutungsverlust von Theologie und Kirche, welcher sich in der säkularen und neoliberalen Gesellschaft vollzogen hat. Zuweilen bricht sich diese Tatsache Bahn in abwertenden Begriffen wie „Feminisierung“. Dass beim Pfarrberuf von „Feminisierung“ jedoch keine Rede sein kann, beweist das Positionspapier eindrücklich. Es wirft vielmehr die Frage auf nach den Weichen, die die reformierten Kirchen der Schweiz heute bezüglich Geschlechtergerechtigkeit so oder anders stellen können. Unter dem gegenwärtigen Spardruck sollten die Errungenschaften der theologischen und kirchlichen Frauenbewegung der letzten 25 Jahre nicht zunichte gemacht werden. Denn nach wie vor werden von den reformierten Landeskirchen gesellschaftsgestaltende, innovative und der reformatorischen Freiheit verpflichtete Impulse erwartet. Und dies auch gerade auf dem Feld der Gleichstellung. So gesehen ist dieses Positionspapier ein Fanal für deren Umsetzung, welches nicht ungehört verklingen darf!

Esther Gisler Fischer

Die Autorin ist reformierte Pfarrerin in Männedorf ZH. Derzeit vertritt sie Pfr. Andreas Eilers mit einem 50 Prozent-Pensum.

Ein Kommentar:

  1. Katharina Wirth

    Ich unterstütze diesen Text in allen Punkten.
    Katharina Wirth

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