Zwei Pfarrerinnen aus Madagaskar ausgezeichnet

Der Sylvia-Michel-Preis ehrt Personen, die Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen fördern. Mit Yvette Rabemila und Brigitte Rabarijaona sind dieses Jahr zwei Theologinnen aus Madagaskar ausgezeichnet worden.

Von Esther Gisler Fischer

Pfrn. Dr. Brigitte Rabarijaona und Pfrn. Yvette Rabemila mit Marianne Schläpfer Schenker.

Pfrn. Dr. Brigitte Rabarijaona und Pfrn. Yvette Rabemila mit Marianne Schläpfer Schenker.

Zum vierten Mal wurde während eines gut besuchten Gottesdienstes in der evang.-ref. Kirche in Heiden der Sylvia-Michel-Preis verliehen. Dies in Anwesenheit der Namensgeberin, welche 1980 zur Präsidentin der Reformierten Landeskirche Aargau gewählt wurde und als erste Frau in Europa als Präsidentin einer kirchlichen Exekutive amtete. Ausgezeichnet wurden die beiden madagassischen Theologinnen Pfrn. Yvette Rabemila und Pfrn. Dr. Brigitte Rabarijaona. Erstere wurde für ihr jahrzehntelanges Wirken für die Gleichstellung von Frau und Mann in der protestantischen Kirche Madagaskars gewürdigt, und die jüngere in ihrem Engagement für Frauen in Führungspositionen ihrer Kirche weiter ermutigt. Die beiden Preisträgerinnen werden mit dem Preisgeld das Projekt „Empowering Women Ministers“ umsetzen, das jungen Theologinnen das Know-how für ein kirchliches Leitungsamt vermittelt.

 

In ihrer bemerkenswerten Predigt zum Gleichnis vom Gastmahl erinnerte Pfrn. Sigrun Holz daran, dass unsere Herkunft prägend ist für unseren Glauben und unsere Theologie. In Anlehnung an den Titel des Buches „In den Gärten unserer Mütter. Religiöse Erfahrungen von Frauen heute“, welches sie mit einer Frauenlesegruppe in den 90er Jahren gelesen hat und worin Theologinnen aus aller Welt vom Garten ihrer Mütter erzählen, nahm sie das Bild des Gartens auf: In einem solchen kann viel erblühen, doch können Begrenzungen drum herum auch den Blick nach draussen versperren.

Alle sind Gast am globalen Tisch

Die Menschheitsfamilie hat sich versammelt.:  Hungertuch 2015, gestaltet vom  nigerianischen Künstler Tony Nwachukwu.

Die Menschheitsfamilie hat sich versammelt.: Hungertuch 2015, gestaltet vom nigerianischen Künstler Tony Nwachukwu.

Die Feministische Theologie habe schon immer den Anspruch gehabt, über die Umgrenzung hinaus zu blicken und theologische Provinzialität und sterile Monokultur hinter sich zu lassen. Holz zitierte in diesem Zusammenhang die befreiungstheologisch-feministische Theologin Dorothee Sölle, die in den Kirchen eine „Denkhaltung der Provinzialität“ ausmachte, sowie die erst kürzlich verstorbene Luise Schottroff. Die Neutestamentlerin deckte auf, dass mit dem beleidigten Gastgeber nicht Gott gemeint sei, sondern einfach ein Mensch, der zu einem Fest einlädt. Das Gleichnis vom Gastmahl ermutige dazu, von Anfang an bereits alle in den Blick zu nehmen. Nicht wie der Gastgeber, der erst dann über seinen Gartenzaun schaut, als er von seinen Gästen eine Absage nach der anderen erhält. Somit sei das Gleichnis ein Wink mit dem sprichwörtlichen Zahnpfahl: Alle am globalen Tisch sollen in den Blick genommen werden. Eindrücklich wurde dies veranschaulicht durch ebendieses Motiv auf dem diesjährigen Hungertuch, welches während der Feier prominent hinten unter der Orgel hing.

Nach einem Grusswort seitens der Weltgemeinschaft reformierter Kirchen und der Ansprache einer Vertreterin der Jury wurde die Preisübergabe an die beiden madagassischen Pfarrerinnen von Marianne Schläpfer Schenker vorgenommen; Jurymitglied und Kirchenratspräsidentin der evang.-ref. Landeskirche beider Appenzell von 1992-1999. In ihren anschliessenden Dankesreden gaben die Preisträgerinnen von der Insel im Indischen Ozean eindrücklich Zeugnis ab über ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen, die ihr Engagement nachhaltig prägt. Aller Widerstände zum Trotz sind sie ihren Weg bis hierher gegangen.

Musikalisch mitgestaltet wurde die Feier vom Quartett Walter Alder aus Urnäsch, welches mit appenzellischen Weisen Lokalkolorit versprühte.

Der internationale Sylvia Michel-Preis ehrt Personen und Projekte, die sich für die Förderung der Leitungsfunktionen von Frauen in der Kirche einsetzen. Der Preis wird von den amtierenden und ehemaligen Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen der Reformierten Landeskirchen der Schweiz (PanKS) zusammen mit der Weltgemeinschaft Reformierter Kirche vergeben. Das Preisgeld von US-Dollar 5000 ist von der Reformierten Landeskirche Aargau gestiftet. Der Name des Sylvia Michel-Preises erinnert an die Aargauer Pfarrerin Sylvia Michel, die 1980 zur Präsidentin der Reformierten Landeskirche Aargau gewählt wurde. Sie war die erste Frau in Europa, welche das Präsidium einer kirchlichen Exekutive übernahm.

 

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