Dietrich Bonhoeffer: In militärischer Mission in der Schweiz

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Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Theologe und Motor der Bekennenden Kirche, war dreimal in geheimer Mission in der Schweiz (Foto: Bundesarchiv/Wikimedia)

Man kennt ihn als Mitglied der Bekennenden Kirche und von seinem letzten Brief an Weihnachten 1944: Dietrich Bonhoeffer. Weniger bekannt sind seine drei Reisen in die Schweiz mit geheimem Auftrag. Schliesslich wurden dem Theologen seine Kontakte in die Schweiz letztlich zum Verhängnis.

Von Franz Osswald

Am Anfang das allen Bekannte: Dietrich Bonhoeffers Weihnachtsgruss aus dem Jahre 1944 «Von guten Mächten treu und still umgeben». Ein Vermächtnis, das den Theologen unsterblich machte, befand der Militärhistoriker Rudolf Fuhrer. Sein Vortrag in der Gedenkstätte Riehen befasste sich indes mit der vielen unbekannten Tätigkeit Bonhoeffers als V-Mann im Amt Ausland/Abwehr der deutschen Wehrmacht.

Als V-Mann in der Schweiz. Bonhoeffers Schwager, Hans von Dohnanyi, und der Leiter der Zentralabteilung des Amtes Ausland/Abwehr, Oberst im Generalstab Hans Oster – beide bildeten den Kern einer Widerstandszelle gegen das Hitlersche Unrechtsregime mit wohlwollender Duldung des Amtschefs Admiral Wilhelm Canaris – kamen im Sommer 1940 überein, dass der in den Augen der Nationalsozialisten staatsfeindliche Theologe Dietrich Bonhoeffer zu schützen sei. Sie integrierten ihn als V-Mann in der Aufklärungsabteilung und machten ihn dadurch für die Rekrutierungsbehörden und die GESTAPO ungreifbar. Bonhoeffer wurde in die Abwehrstelle München eingeschleust. Er erhielt den geheimen Auftrag, in der Schweiz über seine Verbindungen zum Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf bei den Westalliierten die Frage beantwortet zu erhalten: Wird das «andere, das nicht nationalsozialistische Deutschland» eine Chance haben, annehmbare Friedensbedingungen angeboten zu bekommen, wenn es seine aktuelle Regierung gewaltsam beseitigt? Mit diesem Auftrag reiste Bonhoeffer in den Jahren 1941/42 dreimal in die Schweiz – mit offiziellen Papieren, auch von Schweizer Seite her.

Dietrich Bonhoeffers nachrichtendienstliche Tätigkeit weckte aber an verschiedenen Stellen Misstrauen. So bezweifelte insbesondere das Reichssicherheitshauptamt die militärische Eignung des Theologen. In der Schweiz wiederum hegte Hans Bernd Gisevius, Resident der Abwehr, Argwohn. Interessant dabei sei, so Militärhistoriker Fuhrer, dass in Schweizer Archiven keinerlei Spuren einer Fichierung von Dietrich Bonhoeffers Aufenthalt zu finden ist. Bonhoeffers Einsatz als V-Mann blieb denn auch erfolglos, die letzte Reise brach er vorzeitig ab. Ohne Folgen blieben die Aufenthalte in der Schweiz aber nicht.

Die Operation 7. Im September 1941 wurden alle Juden im Deutschen Reich gezwungen, einen gelben Stern zu tragen. Deportationen setzen ein, jegliche Emigration wurde verboten, das Vernichtungsprogramm lief an. Dietrich Bonhoeffer, Hans von Dohnanyi und Friedrich Justus Perels fassten im Oktober den Entschluss, die jüdische Mitarbeiterin in der Bekennenden Kirche, Charlotte Friedenthal, in die Schweiz in Sicherheit zu bringen. Durch Karl Barth und Alphons Koechlin (Präsident des Schweizerischen Kirchbundes) wurde auf Bitte Bonhoeffers bei Heinrich Rothmund ein Einreisevisum beschafft. Weitere zu Rettende kamen dazu, schliesslich waren es 14 Personen, die im Herbst 1942 in die Schweiz reisen konnten.

Bitteres Nachspiel. Die Rettungsaktion hatte aber für viele Beteiligte ein bitteres Nachspiel. Die Devisentransaktion für die Geretteten, die Existenz eines Putschfonds für den Widerstandskreis in der Schweiz und Devisenvergehen des Führungsoffiziers in München fielen der GESTAPO auf. Eine Untersuchung wurde angeordnet. Am 3. April 1943 wurde der Sonderermittler Manfred Roeder, Richter der Luftwaffe, mit dem Fall betraut. Hermann Goering war persönlich involviert. Am 5. April 1943 wurden Bonhoeffer und Dohnanyi verhaftet. Durch einen Führerbefehl wurden Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 im Lager Flossenbürg hingerichtet.

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