SCHÖPFERlSCHE FREIHEIT AUF DER BÜHNE UND IN DER LYRIK – Herbert-Haag-Preisverleihung

Bühne und Lyrik sind Bereiche, die heutiger Kirche und Theologie eher fremd sind. Religion
möchte man nicht als «Theater» wahrnehmen. TIlusionen des Barock sind Geschichte. Und
auch die naiv-heiteren Gedichte eines Angelus Silesius gehen nicht mehr so leicht über die
Lippen: «Die Rose ist ohne Warum, sie blühet, weil sie blühet; sie achtet nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie siehet.»
Doch gerade wegen dieser Distanz widmet sich die Herbert Haag Stiftung mit ihrer
Preisverleihung 2018 diesen schöpferischen Orten der Freiheit. Denn es gibt Menschen, die
sich neu an diese Welten herantasten.
Der Zürcher Theatermann und Regisseur Volker Hesse hat es beim Welttheater in Einsiedeln
getan, ebenso im Mysterienspiel «Akte Zwingli» im Grossmünster in Zürich. Und auch bei
säkularen Anlässen hat der Träger des Hans Reinhart-Rings 2010 archaische Untergrunde
sichtbar gemacht: bei den Tellspielen in Altdorfund im «Sacre del Gottardo« zur Einweihung
des Gotthardtunnels. Gewiss nicht, indem er wie der spanische Barock-Dichter Pedro
Calder6n de la Barca Gott vom Himmel auf die Erde zauberte. Wohl aber indem er den
Klagen und Anklagen der Erdenbürgerinnen und Erdenbürger eine Bühne gab und Gott und
Kirche mit den uralten Menschheitsfragen herausforderte.
Andreas Knapp andererseits spricht leise und verhalten. Er misstraut den verschlissenen
Wörtern, selbst dem «besudelten und missbrauchten Wort Gott». Nicht umsonst verliess der
Priester die traditionelle kirchliche Szene und ist in Leipzig als «Kleiner Bruder vom
Evangelium» im Geiste von Charles de Foucauld für die Menschen am Rand der Gesellschaft
tätig. Dort buchstabiert er neu das, was ihm Jesus bedeutet, sucht Worte jenseits des
Katechismus, verständlich auch für religiöse Analphabeten. So hat er im Lauf der Jahre Texte
gedichtet, die zur eindrucksvollsten und meistgelesenen religiösen Lyrik der Gegenwart
gehören. Und wer Gedichte liest, taugt nicht zum Fundamentalisten.

Die Preisverleihung der Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche findet am Sonntag
11. März 2018 um 15.30 Uhr im Hotel Schweizerhofin Luzern statt. Die Preisgelder betragen
15’000 Schweizer Franken bzw. 10’000 Euro. Die Feier steht für alle offen, eine Anmeldung
ist nicht nötig.

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