Voices of faith

Prophetinnen vor den Toren des Vatikans

Mit der Veranstaltung „Voices of Faith“ haben sich zum Weltfrauentag schon in den vergangenen Jahren Frauen zur Führungsrolle der Frauen in der Welt geäussert. Dieses Jahr wollte Kardinal Farell im Vorfeld einige der Rednerinnen von der Rednerliste streichen. Daher zog die Veranstaltung in die Aula der Jesuiten-Kurie ausserhalb des Vatikans.  Mary McAleese, ehemalige Präsidentin Irlands hielt eine flammende Rede für die Stimme der Frau in der Kirche:

Übersetzung: Markus Heil Diakon in Mümlisiwl und Präsident der Schweizer Pfarrei-Initiative

Die Israeliten unter dem Kommando von Josua umrundeten die Mauern von Jericho sieben Tage lang, bliesen Trompeten und schrien um die Mauern einstürzen zu lassen. (Jos 6,1-20) Wir haben keine Trompeten aber wir haben Stimmen, Stimmen des Glaubens und wir sind hier um zu schreien, um die Kirchen-Mauern der Frauenfeindlichkeit (misogyn) zu schleifen. Wir haben diese Mauern seit 55 Jahren umrundet, seit Johannes der XXIII in der Enzyklika „Pacem in terris“ erstmals auf den gesellschaftlichen Aufstieg als einem der wichtigsten Zeichen der Zeit hinwies: „Sie fordern sowohl im privaten wie in öffentlichen Leben ihre Rechte und Pflichten ein, der ihnen als Menschen zusteht.“ (pacem in terris Nr. 41) … Der langanhaltende Minderwertigkeitskomplex bestimmter Klassen, wegen ihrem wirtschaftlichen und sozialen Status, Geschlecht oder Position im Staat, wie auch der entsprechende Überlegenheitsanspruch der anderen Klassen, wird rasch ein Ding der Vergangenheit. “

Am 2. Vatikanischen Konzil warnte Erzbischof Paul Hallinan von Atlanta seine Mitbischöfe, in der Kirche des 20. Jahrhunderts die Frauen in der Kirche nicht für immer auf den 2. Rang zu verweisen. Gleichzeitig sollten sie so verhindern, dass die Kirche in dieser sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zu spät komme.

Das Konzilsdokument Apostolicam Actuositatem sagt, es sei wichtig, dass Frauen mehr teilnehmen an den verschiedenen Bereichen der Sendung der Kirche (AA 9)

Die Pastoralkonstitution des Konzils Gaudium et Spes spricht davon, dass die Überwindung jeglicher Diskriminierung aufgrund des Geschlechts eine Priorität sei. (GS 29)

Papst Paul VI beauftragte sogar eine Kommission über Frauen in Kirche und Gesellschaft.

Sicherlich dachten wir damals, dass die nachkonziliare Kirche sei gut unterwegs um den 600 Millionen Frauen in der Kirche die volle Gleichberechtigung zu geben. Ja und es richtig, dass sich seit dem Konzil in der Kirche neue Rollen und Arbeitsfelder für Laien einschliesslich Frauen geöffnet haben. Aber diese neuen Aufgaben haben nur marginal die Sichtbarkeit der Frau in der Kirche einschliesslich in der Kurie vergrössert, und gab ihnen keinerlei Entscheidungsmacht oder auch nur Stimme in der Kirche.

Zumal Sichtbarkeit und Stimme (also Gehört-Werden) nicht das gleiche ist. Und Sichtbarkeit ohne Stimme kann sogar das Stummsein noch verstärken.

Bemerkenswert ist, dass seit dem Konzil Aufgaben, welche gezielt für Laien geschaffen wurden, wiederum ausdrücklich den Frauen verwehrt wurden.

Die dauerhaften Aufgaben von Akolythen, Lektoren und Diakone wurden nur für Männer geschaffen. Warum? Beide, Männer wie Frauen können zwischenzeitlich Ministranten werden, aber Bischöfe dürfen Frauen davon ausschliessen, und wo sie diese in ihrem Bistum zulassen, dürfen einzelne Pfarrer diese in ihren Pfarreien von diesem Dienst ausschliessen. Warum?

Im Jahr 1976 wurde uns gesagt, die Kirche sehe sich nicht autorisiert, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Dies hat Frauen ausgesperrt, in der Führung der Kirche, in ihrer theologischen Entwicklung wie auch in ihren Machtstrukturen eine bedeutende Rolle zu übernehmen, weil diese historisch entweder für geweihte Männer reserviert sind oder durch diese gefiltert wurden.

Aber in göttlicher Gerechtigkeit hätte die Tatsache des Ausschlusses der Frauen vom Priesteramt und all der weiteren Ausschlüsse als Folge davon, die Kirchenhierarchie dazu führen müssen, darauf zu bestehen und innovativ und transparente Wege zu finden, ja radikale Formen zu finden, um der Stimme der Frauen in der Kirche Gehör zu verschaffen. Als Recht und nicht als tröpfelnde Feigenblattaktion: im Kollegium der Bischöfe, im Kardinalskollegium, in Bischofsynoden oder Bischofskonferenzen. An all jenen Orten wo der Glaube Form annimmt durch Entscheidungen über Dogma und Lehre.

Stellen Sie sich jenes Entscheidungs-Szenario vor: Papst Franziskus würde eine Bischofsynode über die Rolle der Frau in der Kirche einberufen und 350 zölibatäre Männer würden den Papst darin beraten, was Frauen wirklich wollen.

Das ist absurd; aber das ist genau das, was aus unserer Kirche geworden ist. Wie lange kann die Hierarchie die Haltung glaubwürdig vertreten, dass Gott die Dinge so gewollt hat, dass Gott eine Kirche will, in der Frauen unsichtbar und sprachlos in der Führung der Kirche sind, in gesetzlichen und lehramtlichen Überlegungen und im Treffen der Entscheidungen.

In diesem Saal, wo wir uns heute befinden hat 1995 der irische Theologe Fr. Gerry O’Hanlon seinen Finger auf das zugrundliegende systemische Problem gelegt als er das Dokument 14 durch die Jesuiten Generalkongregation steuerte. Dies ist ein vergessenes Dokument, aber heute werden wir es abstauben und es nutzen, um einen Jesuitenpapst zu konfrontieren, einen Reformpapst, um konkret zu handeln im Sinne der Frauen in der Kirche

Dieses Dokument 14 sagt: Wir waren Teil einer zivilen und kirchlichen Tradition, welche die Frauen beleidigt und verletzt hat. Und wie viele Männer haben wir die Tendenz, uns davon zu überzeugen, dass darin kein Problem liegt. Aber unwissentlich haben wir oft zu einer Form des Klerikalismus beigetragen, welche männliche Dominanz verstärkt hat, mit einer angeblichen göttlichen Begründung. Mit dieser Erklärung wollen wir persönlich und gemeinsam reagieren, und alles tun was in unserer Macht steht, um diese bedauerliche Situation zu überwinden. (Decree 14, Kap. 9)

Diese „bedauerliche Situation“ kommt daher, dass die katholische Kirche schon seit langem ein erstklassiger globaler Träger des giftigen Virus der Frauenfeindlichkeit ist. Es hat nie eine Kur von dieser Krankheit gesucht, obwohl eine Kur frei verfügbar ist: Ihr Name ist „Gleichheit“.

Auf der breiten Strasse der 2000jährigen christlichen Tradition kam die göttliche Schönheit der Geburt, das grausame Opfer der Kreuzigung, das Halleluja der Auferstehung und der durchdringende Ruf des grossen Gebots, einander zu lieben uns entgegen. Aber auf dieser breiten Strasse kommen auch die vom Mensch gemachten Gifte der Frauenfeindlichkeit, der Homophobie um nicht auch den Antisemitismus zu erwähnen, mit der Folge von so vielen beschädigtem und vergeudeten Leben und ihrer tief verwurzelten institutionellen Dysfunktion.

Die Gesetze und Kulturen von vielen Nationen und Glaubenssystemen waren historisch sehr patriarchal und schlossen Frauen aus; einige bis heute, aber heute hinkt die katholische Kirche deutlich dieser globalen gesellschaftlichen Entwicklung der Überwindung dieser Diskriminierung der Frauen hinterher. Dies ist besonders schlimm, weil – wie Ban Ki Moon sagte- die Kirche die „Kanzel der Welt“ ist und das offensichtliche klerikale Patriarchat als kräftige Bremse für alle Prozesse funktioniert, wo immer die Architektur der Frauenfeindlichkeit aufgedeckt wird.

Darin liegt eine Ironie, weil Ausbildung für den Fortschritt der Frauen wichtig war und es für viele von uns die Bildung durch fortschrittliche kirchliche Mitarbeiter, Klerikern wie Laien, war, die uns befreit hat. Diese haben so viel investiert, um Männer wie Frauen aus Armut und Machtlosigkeit zu befreien und ihnen Zugang zu Chancen zu geben.

Doch paradoxerweise sind es gerade diese Frage-stellenden Stimmen von ausgebildeten katholischen Frauen und der mutigen Männer, welche sie unterstützen, mit denen die kirchliche Hierarchie einfach nicht umgehen kann und sie eher verachtet als mit ihnen in einen Dialog zu treten.

Eine Kirche welche die Gesellschaft regelmässig die säkulare Welt zu so vielen Verletzungen der Menschenrechte kritisiert, hat keine Kultur für interne Kritik. Sie hat eine „Feindschaft zu interner Kritik“ welche einer engstirnigen Unterwürfigkeit Vorschub leistet die bis an institutionelle Götzendienst grenzt.

Wir fordern heute von Papst Franziskus eine glaubwürdige Strategie zu entwicklen, um uns Frauen als gleichwertig zu integrieren durch die Ganze – von den Wurzeln bis zu den Zweigen – Kirchen-Infrastuktur, einschliesslich der Entscheidungsfindung.

Eine Strategie mit Zeilen, Wegen, und Ergebnissen, welche regelmässig und unabhängig kontrolliert werden. Das Unvermögen, Frauen als gleichwertig einzubeziehen hat der Kirche viele frische und innovative Überlegungen vorenthalten. Es hat sich einem, um sich selbst drehenden Denken in einem hermetisch abgeschlossenen Raum von gemütlicher männlicher klerikaler Elite geschmeichelt ergeben und wurde nur selten herausgefordert durch solche, welche für Stellen in den geheimen und verschlossenen Prozessen angeklopft haben

Wenn letzte Woche Kardinal Farell von einem Prozess der Integration der Frauen sprach, dann fordern wir ihn auf, diesen Prozess der Emanzipation endlich zu beginnen.

Christus wird aussen vorgelassen und Bigotterie bleibt drinnen. Die Kirche versucht mit einem Flügel zu fliegen, ja sie schlägt mit dem einen Flügel auf den anderen anstatt zu fliegen, wo doch Gott ihr zwei Flügel gegeben hat.

Wir sind berechtigt unsere Kirchenführer dafür zur Rechenschaft zu ziehen für dies alles und für andere ungeheuerliche Missbräuche institutioneller Macht und wir werden auf unserem Recht bestehen egal wieviele offizielle Türen sich vor uns verschliessen.

Zu Beginn seines Pontifikats sagte Papst Franziskus: „Wir müssen weiterhin eine breitere Basis für eine entscheidendere Präsenz von Frauen in unserer Kirche schaffen.“ Was ein Kirchenforscher als Evidenz für die „Grösse“ von Franziskus beschrieben hat. Lass uns Klartext reden: Das Recht der Frauen für Gleichberechtigung in der Kirche kommt organisch aus göttlicher Gerechtigkeit. Es sollte nicht von päpstlichem Wohlwollen abhängen.

Papst Franziskus beschrieb Theologinnen als „die Erdbeeren auf dem Kuchen“. Hier lag er falsch. Frauen sind die Hefe im Kuchen. Frauen sind die hauptsächlichen Überbringer des Glaubens an ihre Kinder. Im Westen wächst der Kuchen der Kirche nicht mehr, der Stab des Glaubens fällt auf den Boden. Frauen kehren grosszahlig der Kirche den Rücken. Frauen, von denen erwartet wird, dass sie Schlüsselpersonen sind, die Kinder in den Glauben einführen, finden ihren Platz nicht als Schlüsselpersonen, um den katholischen Glauben selbst zu formen.

Das ist nicht mehr länger akzeptabel.

Gerade vor 4 Monaten fühlte sich Erzbischof von Dublin Diarmuid Martin zu der Äusserung gezwungen „Das tiefe Ansehen der Würde der Frau in der Kirche sei der entscheidendste Faktor für die Erfahrung der Entfremdung der Frauen von der Kirche im heutigen Irland.“

Wenn Papst Franziskus sagte „Frauen seien wichtiger als Männern, weil die Kirche eine Frau sei“ Heiliger Vater, warum fragen sie nicht Frauen, ob sie sich wichtiger fühlen wie Männer? Ich vermute viele würden antworten, dass sie die Kirche als eine Männerbastion von herablassenden Plattitüden erleben, zu der Papst Franziskus seine Zitate beigetragen hat.

Als Johannes Paul II über das „Geheimnis der Frauen“ geschrieben.

„Rede mit uns Frauen auf Augenhöhe und wir werden kein Geheimnis bleiben.“

Papst Franziskus sagte, eine tiefergehende Theologie der Frauen sei nötig. Dem können wir zustimmen, denn es ist schwer denkbar, dass dabei eine seichtere Theologie der Frau herauskommt als die Frauenfeindlichkeit, welche sich als Theologie verkleidet, hinter der das Lehramt dieser Tage sich versteckt.

Und die ganze Zeit schaut uns eine grundsätzlichere Theologie an. Es braucht nicht viel, sie auszugraben. Schau nur auf Christus. Johannes Paul II hat gesagt: Wir sind Erben einer Geschichte welche uns zu einem beachtenswerten Grad eingeschränkt hat. In jeder Zeit und an jedem Ort war diese Einschränkung ein Hindernis für den Fortschritt der Frauen. Indem er die etablierten Normen seiner Zeit überwunden hat, ist Jesus Frauen mit Offenheit, Respekt Akzeptanz und Zärtlichkeit begegnet. „Wenn wir also auf Christus“ schauen, ist es natürlich uns zu fragen: Wie viel von seiner Botschaft haben wir gehört und entsprechend gehandelt?

Frauen sind bestens ausgebildet, diese Fragen selbst zu beantworten, aber wir reden hier heute nur zu uns selbst. Kein Kirchenführer kam hierher um mit uns zu reden oder zuzuhören, nicht nur, weil wir ihnen egal sind, sondern weil ihre Priesterausbildung verhindert, dass wir Frauen als gleichwertig betrachtet werden.

Die Jesuiten Generalkongregation bat damals 1995 Gott um die Gnade der Umkehr von einer patriarchalen Kirche zu einer Kirche der Gleichen; einer Kirche, in der Frauen wirklich zählen nicht aufgrund von Bedingungen der Männer einer patriarchalen Kirche, sondern aufgrund der Bedingungen, dass Christus zählt. Denn nur eine solche Kirche von Gleichberechtigten ist es wert Christus in sich zu tragen. Nur eine solche Kirche kann glaubwürdig Christus seinen bedeutungsvollen Platz geben.

Papst Franziskus, die Zeit für eine solche Kirche ist jetzt! Die Zeit für Wandel ist jetzt!

Orginal:

https://www.youtube.com/watch?v=Q4DjZ5tvrTc

https://www.irishcatholic.com/the-time-is-now-for-change-in-the-catholic-church/

 

Ein Kommentar:

  1. Angelika Ritter-Grepl

    Ohne die konkrete Umsetzung der Ebenbildlichkeit Gottes umgesetzt in den Frauen wird das Reich Gottes sehr bruchstückhaft bleiben und die Frohe Botschaft weiterhin verdunkelt!

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