Ade christliches Abendland – guten Morgen Europa. OeME-Herbsttagung mit Heribert Prantl

Wann:
7. November 2020 um 08:30
2020-11-07T08:30:00+01:00
2020-11-07T08:45:00+01:00
Wo:
Die Tagung findet neu online statt!
Kontakt:
www.refbejuso.ch/strukturen/oeme-migration/veranstaltungen/oeme-herbsttagung/

OeME-Herbsttagung 2020

Ade christliches Abendland – Guten Morgen Europa!

Ökumenische Herbsttagung 7. November 2020, 8.30–16.30
Die Tagung findet neu online statt!

Die ökumenische Herbsttagung 2020 rückt den blinden Fleck «Europa» ins Zentrum:
Was können Europa und seine Zivilgesellschaften zu einem menschenwürdigen Umgang mit Migrantinnen und Migranten beitragen?
Ist Europa primär ein Wirtschafts- und Wachstumsprojekt?
Welchen Beitrag leistet Europa zur Bewältigung der Klimakrise?
Was tragen die Kirchen zum Friedensprojekt Europa und zur europäischen Solidarität bei?
Welche Formen der Zusammenarbeit braucht es, damit Europa an der Basis erlebbar wird?

Aus unterschiedlichen Perspektiven tragen Referierende wie Heribert Prantl (Interview s.u.) und Teilnehmende Beiträge zusammen, in der Überzeugung, dass «unser» Europa ein Friedensprojekt ist.

Flyer mit Anmeldetalon:
pdfHerbsttagung_2020_Flyer_Onlineversion.pdf3.62 MB

 

«Die Vielfalt bringt Frieden»

Der Publizist, Jurist und Theologe Heribert Prantl wird am 7. November die ökumenische Herbsttagung in Bern eröffnen. Ein Gespräch über Europa, die Kirchen und den Frieden.

Sabrina Durante

«Ade christliches Abendland – guten Morgen Europa», so der Titel der Tagung, die Sie mit Ihrem Referat eröffnen werden. Die Definition «christliches Abendland» gilt für Europa längst nicht mehr: Wie würden Sie Europa definieren?

Heribert Prantl: Europa ist ein welthistorisches Friedensprojekt. Es wurde gebaut aus überwundenen Erbfeindschaften. Es ist die Verwirklichung so vieler Friedensschlüsse, die den Frieden dann doch nicht gebracht haben. Die Europäische Verträge sind die Ehe- und Erbverträge ehemaliger Feinde. Mit zunehmendem Abstand zum Zweiten Weltkrieg gilt es allerdings immer mehr Europäerinnen und Europäern nicht mehr als Errungenschaft, sondern als Selbstverständlichkeit. Aber ein Blick vor die Tore Europas, ein Blick in den Nahen und Mittleren Osten, zeigt, wie wenig selbstverständlich ein unkriegerischer Kontinent ist.

Wenn die Religion nicht mehr identitätsstiftend ist, was kann denn die neue Europäische Identität prägen?

Prantl: Die Vielfalt. Der Reichtum der Sprachen, der Kulturen, der Traditionen, der Religionen. Das  ist moderne Demokratie. Das bringt Frieden.

«Europa muss ein anderes Wort sein für Geborgenheit, für Heimat.»

Welche Rolle spielt die Kirche in einem zunehmend säkularen Europa?

Prantl: Die Kirche verkörpert die europäische Tradition, gehört also zu den Fundamenten Europas. Und die besten Traditionen der Kirche stehen für die europäischen Werte: Nächstenliebe, Solidarität. Wir reden viel vom «Europäischen Haus». Europäische Häuser gab es schon einmal: Die Dome und die Kathedralen waren einst die trigonometrischen Punkte Europas. An den alten Kathedralen wurde lange gebaut, manchmal unvorstellbar lang, am Kölner Dom 632 Jahre.

Was können die Kirchen zum Friedensprojekt Europa und zu mehr Solidarität beitragen?

Prantl: Europa muss ein anderes Wort sein für Geborgenheit, für Heimat. In einer Welt, die auf Beschleunigung, Flexibilität und Konkurrenz getrimmt ist, kommt die innere Heimat schnell abhanden. Aber es ist so: Menschen, die sich beheimatet, geschützt und sicher fühlen, haben auch die Kraft, die Heimatlosen und Geflüchteten aufzunehmen. Sie haben dann die Kraft zur Humanität, also die Kraft, selbst Schutz zu gewähren.

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