Abschiednehmen in Zeiten der Corona-Pandemie

Seit gut zwei Wochen sind Kirchen, Kapellen und Abdankungshallen geschlossen für öffentliche Trauerfeiern.  Text: Barbara Lehner

Das Verabschieden der Verstorbenen ist nur noch unter freiem Himmel auf dem Friedhof möglich. Vielerorts sind dank einer Sonderregelung Bestattungen auf dem Friedhof «im engsten Familienkreis» erlaubt mit maximal 15-20 Personen. So fehlt vielen die Möglichkeit, aktiv am Trauerritual teilzunehmen. Zudem fällt das gemeinsame Essen am Schluss der Bestattung als wichtige «Brücke zum Alltag» weg.

Nehmen wir die Urne nach Hause und bestatten wir später?

Aufgrund der Verunsicherung der aktuellen Corona-Krise werden gut ein Viertel der Beisetzungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Doch niemand weiss, wie lange die Verordnungen des Bundes anhalten. Hat die Trauerfamilie in 2-3 Monaten noch die Kraft, eine Trauerfeier samt Bestattung durchzuführen? Die Bestattung ist ein wichtiger Schritt im Trauerprozess, der auch wieder Energie freisetzt fürs Weitergehen.

 

Unser Tipp: jetzt bestatten, später gedenken!

Bestatten Sie jetzt im kleinen Kreis und nutzen Sie einen Gedenktag wie der Geburtstag des Verstorbenen oder die Jahrzeit, um im grösseren Rahmen mit anschliessendem Essen die Verstorbenen zu ehren und zu erinnern. Einzig wenn die Familie uneins ist, wo und wie die Person bestattet werden soll, oder ein nahes Familienmitglied nicht bei der Bestattung dabei sein kann, ist jetzt ein Aufschieben der Bestattung angesagt.

 

Ideen, um den Kreis der Trauergemeinschaft zu erweitern

  • Ermutigen, einander Geschichten zu erzählen: Via Mail, Chat oder per Post Erinnerungen sammeln lassen.
  • Teilnahme im Herzen ermöglichen, indem die Leute erfahren, wann die Trauerfeier stattfindet. Sie einladen, dann eine Kerze anzuzünden, Musikstück zu hören, Texte zu lesen, Gebete zu sprechen.
  • Stellvertreter: Blumen, bemalte Steine oder Schneckenhäuser vor die Türe der Trauerfamilie stellen, welche diese Gaben mitnimmt zur Bestattung. Neben der Kondolenzkarte auch noch einen Gruss zum Abschied an den Verstorbenen schreiben. Diese Botschaften werden auch bestattet oder verbrannt und der Erde übergeben.
  • Technische Hilfsmittel nutzen wie Live-Stream für nahe Verwandte im Ausland oder Risikopatienten, die nun nicht dabei sein können.
  • Essen als Rückkehr in Alltag: Zu Hause für sich und doch in Gedanken gemeinsam am Abend eine Lieblingsspeise des Verstorbenen essen und so Verbundenheit leben – samt Fotos auf dem What’s up Chat.

Barbara Lehner

Gerne beraten und begleiten Sie Fachpersonen für Trauerfeiern, TrauerbegleiterInnen, Seelsorgende der Kirchen sowie Bestatterinnen und Bestatter bei der Suche nach einer stimmigen Gestaltung des bevorstehenden Abschieds. Beiliegend finden Sie unter www.lebensgrund.ch eine Liste der von uns ausgebildeten TrauerbegleiterInnen sowie Fachpersonen für Trauerfeiern.

Ein Kommentar:

  1. Danke herzlich für die achtsamen Ideen!
    Habe ich mir auch so überlegt

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