Digitaler Kirchentag

Jacqueline Straub hat am 3. Ökumenischen Kirchentag teilgenommen. Dieser fand pandemiebedingt online statt. Ein Erfahrungsbericht.


Bild: Armin Schreijäg auf Pixabay

Den 3. Ökumenischen Kirchentag digital und dezental zu feiern und mitzuerleben war für mich ganz besonders. Natürlich sind persönliche Begegnungen nicht zu ersetzen, aber ich finde, dass trotz Pandemie ein tolles Programm auf die Beine gestellt wurde und sicherlich auch vielen Menschen gutgetan hat – vor allem auch jenen, die nicht hätten nach Frankfurt kommen können.

Sexismus ist ein ökumenisches Problem und zusammen können wir diesen auch überwinden.

Gestern sass ich also den ganzen Tag vor dem Laptop und habe diverse Podien und Gespräche angeschaut. Bei zwei Veranstaltungen war ich selbst beteiligt, bei beiden habe ich im Vorfeld ein Video aufgenommen und eingesendet. Beim Programmpunkt «Im Gottes Haus gibt es viele Wohnungen» wurde das Thema Sexismus in der Kirche besprochen. Was mir dort wieder bewusst wurde ist, dass auch Frauen in der evangelischen Kirche sexistischen Bemerkungen ausgesetzt sind. Dieser Programmpunkt, der auch auf der Front der Website live übertragen wurde, war wichtig. Denn vielen ist nicht bewusst, wie stark Sexismus noch in kirchlichen Strukturen (nicht nur in der katholischen Kirche) verankert ist. Sexismus ist ein ökumenisches Problem und zusammen können wir diesen auch überwinden.

Aufbruch in der Kirche

Bei der zweiten Veranstaltung, die ich mit fünf Katholikinnen und einer Protestantin (sie hat moderiert) über mehrere Wochen geplant habe, war grosser Aufbruch in der Kirche zu spüren. Unter dem Titel «The future is… Talk über die Zukunft der katholischen Kirche» haben wir über verschiedenen Punkte in unsere Kirche gsprochen, auch über das Frauenthema, aber auch Kirche in den Sozialen Medien und was wir uns wünschen. Zudem haben wir in kleinen Videos verschiedene Menschen aus den unterschiedlichen Konfessionen zu Wort kommen lassen, die Diskriminierungserfahrungen in den Kirchen erlebt haben. Sie alle sind Hoffnungsträger*innen für eine zukunftsfähige Kirche. Diese Veranstaltung wurde beim «Füreinander Stream» gezeigt – eine Kooperation von «Ruach.jetzt Netzwerk» und «Yeet Netzwerk». Ich selbst bin Teil vom Ruach.jetzt Netzwerk. Gerade der 24-Stunden-Füreinander-Stream hat mir gezeigt, wie viele junge, kreative und motivierte Menschen noch in der Kirche sind.

Ich glaube, dass der ÖKT vielen Kraft geschenkt und wieder gezeigt hat, wie bunt und vielfälitig Kirche doch bereits ist.

Den Abschlussgottesdienst habe ich mir heute Vormittag im Fernsehen angeschaut. Über ein Jahr habe ich diesen zusammen mit tollen Menschen geplant. Das Endresultat zu sehen, war eine grosse Freude. Vor allem auch, dass ich den Hashtag #FriedeSeiMitDir vorgeschlagen und im Plenum auf volle Zustimmung getroffen ist.

Natürlich muss ich auch realistisch sein: Grosse Veränderungen in der römisch-katholischen Kirche wird es vom ÖKT aus nicht geben, auch wenn viele wichtige Punkte in den Veranstaltungen behandelt wurden. Aber: Ich glaube, dass der ÖKT vielen Kraft geschenkt und wieder gezeigt hat, wie bunt und vielfälitig Kirche doch bereits ist.

Jacqueline Straub ist katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin.Sie schreibt regelmässig für den Aufbruch.

 

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