Für unsere Nächsten und Gottes Schöpfung

Die Konzernverantwortungsinitiative fordert eine Selbstverständlichkeit: Konzerne sollen für Schäden, die sie oder ihre Tochterfirmen verursachen, geradestehen. Kirchen und kirchliche Hilfswerke sind wichtige Träger der Initiative.
Text: Gabriela Allemann

In der peruanischen Stadt Cerro de Pasco sind Luft und Wasser mit Schwermetallen vergiftet. Glencore kontrolliert hier die Minengesellschaft Volcan. Die Mine produziert zu den niedrigsten Kosten der ganzen Branche. Den Preis dafür zahlen die Menschen mit ihrer Gesundheit: Die Mine führt zu einer extremen Umweltverschmutzung durch Blei, Arsen und viele weitere Schwermetalle. Alles ist vergiftet: die Luft, der Boden, das Wasser.

Die Lebenserwartung der Einwohner und Einwohnerinnen ist fünf Jahre tiefer, die Kindersterblichkeit höher als in anderen peruanischen Städten. Gerade für die Kinder haben die Bleivergiftungen dramatische Folgen: Sie führen zu Blutarmut, Behinderungen und Lähmungen. Das ist inakzeptabel.

Initiative fordert, dass Konzerne für Schäden geradestehen
Die Konzernverantwortungsinitiative fordert eine Selbstverständlichkeit: Konzerne sollen für verursachte Schäden geradestehen müssen und künftig für Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen, die sie oder ihre Tochterfirmen verursachen, auch haften.

Die Initiative greift mit der zivilrechtlichen Haftung auf ein bewährtes Mittel des Schweizer Rechts zurück. Betroffene sollen die Möglichkeit erhalten, in der Schweiz auf Wiedergutmachung zu klagen. Sie müssen beweisen, dass der Konzern mit Sitz in der Schweiz für den Missstand verantwortlich ist.

Jeder Mensch besitzt als Geschöpf Gottes eine unantastbare Würde, deren Schutz über wirtschaftlichem Profit stehen muss, denn die Wirtschaft muss dem Menschen dienen.

Kirche für Konzernverantwortung
Die Kirche und kirchliche Hilfswerke tragen die Initiative seit der Lancierung entscheidend mit. Die Schweizer Bischofskonferenz die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz und die Freikirchen haben sich für die Initiative ausgesprochen und über 650 Kirchgemeinden und Pfarreien engagieren sich aktiv dafür. Auch die Evangelischen Frauen Schweiz EFS unterstützten die Konzernverantwortungsinitiative von Anfang an.

Dieses grosse kirchliche Engagement ist nicht weiter verwunderlich, denn die Initiative gründet auf zentralen Anliegen der biblischen Botschaft und des christlichen Glaubens: Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Nächstenliebe. In Gerechtigkeitsfragen ist das Evangelium nie «neutral», die christliche Botschaft nimmt klar Position für die Unterdrückten und ist eine Heilsgeschichte für Menschen am Rand der Gesellschaft. Jeder Mensch besitzt als Geschöpf Gottes eine unantastbare Würde, deren Schutz über wirtschaftlichem Profit stehen muss, denn die Wirtschaft muss dem Menschen dienen.

Daher ergreift die Kirche Partei in der Frage der Konzernverantwortungsinitiative – für Gottes Schöpfung und für unsere Nächsten, die in einer globalisierten Welt auch die Kinder in Cerro de Pasco sind.

Gabriela Allemann, Präsidentin Evangelische Frauen Schweiz EFS

2 Kommentare:

  1. Die Kirchen sollten sich mit Stellungsnahmen zum politischen Tagesgeschäft zurückhalten. Das Abstimmungsverhalten für oder gegen die Konzernverantwortungsinitiative ist kein Kriterium für die Qualität einer christlichen Lebensführung. Zwar berufen sich kirchliche Befürworter der Initiative auf verschiedene Textstellen im Alten und im Neuen Testament. Die Gegner verweisen aber auf Mt 22,15-22. Wir müssen mit gewissen Widersprüchen in der Bibel leben. Wichtig ist, Verstand und Vernunft nie auszuschalten und das gesunde Augenmass zu wahren. Die Stossrichtung der Konzernverantwortungsinitiative finde ich richtig, aber es gibt bessere Möglichkeiten die gesetzten Ziele zu erreichen.

  2. Marianne Baitsch

    Ich bin sehr froh, dass die Kirche hier eindeutig Stellung bezieht und sich nicht verunsichern lässt von Personen, die mit der Urteilsfähigkeit der Kirchenangehörigen gegen diese Stellungnahme argumentieren.

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