Kein Abendmahl mit Industriebrot

Auch wenn in diesen Corona-Zeiten das Abendmahl mit Brot und Wein eher selten gefeiert wird, sind die Überlegungen des Theologen und ehemaligen Landwirts Thomas Gröbly zur Produktion des Brots bedenkenswert. (Red.)


Bild: congerdesign auf Pixabay

Dieses Weissbrot galt lange als Inbegriff von Luxus und Wohlstand.

Das Brot beim Abendmahl ist oft kastenförmiges Industriebrot, weiss ohne inneren Wert, ohne Geschmack, ungesund und es schickt falsche Signale in die Welt. Warum wird das immer wieder in reformierten Kirchen verteilt? Kirchliche Mitarbeitende sind Spezialisten für Symbole und Symbolhandlungen. Brot und Wein stehen symbolisch für Fleisch und Blut Jesu, für seine Botschaft der Liebe und der Gemeinschaft. Vom Getreidekorn wird die Haut und der Keimling entfernt. Es bleibt nur der Mehlkörper. Dieses Weissbrot galt lange als Inbegriff von Luxus und Wohlstand.

Heute wissen wir, dass das ungesund ist, weil Vitamine, Mikronährstoffe und Ballaststoffe entzogen werden. Der Keimling enthält wichtige Fette und die Haut dringend notwendigen Ballaststoff für eine gute Verdauung. Viele Leute reagieren auf Gluten allergisch. Ein Grund dafür ist, dass der heutige Weizen mit einem hohen Glutenanteil gezüchtet wurde, damit Grossbäckereien ‚effizient‘ arbeiten können. Nur so kann Brot in kurzer Zeit aufgehen und können Grossbäckereien überhaupt Brot machen. Es geht aber nicht nur um Gesundheit und Effizienz. Wir füttern Kühe und Schweine mit dem Besten was das Getreide zu bieten hat.

Toastbrot in Kastenform

Das Abendmahl hat Symbolcharakter und ich wünsche mir, dass wir in der Kirche bewusst mit dem Symbol Brot umgehen. Dass einige Gottesdienstbesucher Vollkornbrot nicht vertragen, reicht für mich nicht als Entschuldigung. Weisses Abendmahlsbrot ist ein Bild für unser industrialisiertes Ernährungssystem. Was zusammengehört wird getrennt. Was wir für die Gesundheit notwendig brauchen, wird den Tieren verfüttert. Dass dem Weissmehl künstlich Vitamine beigefügt werden, ist Teil der industriellen Logik und nur ein kleiner Trost. In den Grossbäckereien werden meistens auch noch Konservierungs- und Triebmittel hinzugefügt. Oder es dunkel gefärbt, um den Eindruck von Vollkornbrot zu erwecken. Sogar die lokalen Bäckereien backen längst nicht alle mit Korn, Salz, Wasser und Hefe. Sie beziehen industriell aufbereitete Mehle. Fürs Abendmahl wird oft Toastbrot in Kastenform gebraucht. Wie wenn man der Natur unsere Winkel und Ordnung aufzwingen müsste.

Getreide und Brot, als Mittel zum Leben ist, sind keine Produkte und keine Waren, sondern ein Geschenk Gottes und der Natur.

Der Ernährungsindustrie vorgelagert steht meistens eine industrialisierte Landwirtschaft. Mit einem riesigen Input an fossilen Energien werden Nahrungsmittel produziert. Man muss leider von „Produktion“ schreiben, denn es sind Industrieprozesse der Standardisierung und Rationalisierung, in denen Getreide und letztlich unser Brot als Ware behandelt werden. In industriellen Prozessen werden die Dinge zuerst auseinandergenommen und nachher wieder zusammengefügt. Bei der Produktion eines Backofens mag das sinnvoll sein, beim Brot nicht. Brot kann man nicht produzieren. Getreide und Brot, als Mittel zum Leben ist, sind keine Produkte und keine Waren, sondern ein Geschenk Gottes und der Natur. Wenn ich nun diesen Charakter zeigen will, real zum Wein gegeben und symbolisch eingebettet, muss ich mir auch den Prozessen rundum widmen und mich für eine gute Symbolik entscheiden. Das Getreide sollte ohne Pestizide und Kunstdünger angebaut werden. Man kann doch nicht auf dem Weg zum Brot andere Lebewesen vergiften. Die Bäuerinnen und Bauern müssen gut leben können und Zeit und Kraft haben, die Bodenfruchtbarkeit zu pflegen. Ebenso sollen die Müller und Bäcker gut leben können. Schön wäre es, wenn alles in Kirchturmdistanz geschehen würde. Also nicht weiter weg, als man von der Spitze des Kirchturms sehen kann. Brot als Symbol der Gemeinschaft zeigt sich in den direkten Beziehungen zu allen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.

Warum nicht anders?

Vielleicht ist es an der Zeit, sich über das Abendmahl in der reformierten Kirche noch viel grundsätzlicher Gedanken zu machen. Hier geht es nur ums Brot. Weshalb wird die Botschaft des weissen Industriebrotes nicht reflektiert? Warum nicht am Tag vor dem Abendmahl gemeinsam mit Jugendlichen oder Erwachsenen das Korn mahlen, die Hefe ansetzen, den Teig kneten, ihm Zeit zum Aufgehen lassen und backen? Welche Symbolkraft hätte das im Vergleich zum Kastenbrot?

 

Thomas Gröbly, Theologe, Ethiker und ehemaliger Landwirt, Inhaber des Ethik-Labors in Baden

 

 

4 Kommentare:

  1. Guter Artikel oft schleichen sich in Rituale schlechte Überlegungen ein. Der Vorschlag mit Jungen selbst zu mahlen und backen finde ich super. Allerdings sind diese Gedanken bei vielen 40 und 50 jährigen beeeits da und auch bei vielen Älteren. Es ist gut auch gut immer wieder darüber zu reden.
    Vielleicht sollte man verschiedene Brote anbieten wegen Verträglichlichkeit. Die katholische Variante mit Hostien ist einfacher.

  2. Christian Vontobel

    Es ist durchaus bedenkenswert, neben dem wichtigen Symbolcharakter von Wein und Brot auch ihren menschengemässen Entstehungsprozess zu beachten. Beim Wein gibt es ja auch die Wahlmöglichkeit des Traubensafts. Beim Brot wäre gemäss Artikel auch die glutenfreie Herstellung eine gesundheitlich begründete Option. Es gäbe also auch hier die Wahlmöglichkeit zwischen Schmal- und Vollkost!

  3. Stimmige Symbole oder Hokuspokus?

    Ich tue mich schwer, das zu sagen, was ich sagen will, ohne mich über das zu erheben, was in den Gemeinschaften aus der Reformation über das „Abendmahl“ theologisch je gedacht wird; bin katholisch.
    Ich finde es nur unverträglich mit der eigentlichen Absicht der Feier, wenn, – wie ich davon schon Kenntnis erhielt -, das bei der Feier verwendete übrig gebliebene (gesegnete?) Brot in den Abfall wandert.
    Über die theologischen Implikationen der von der mir nicht genauer zu benennenden Denomination (in Deutschland) kann ich nichts sagen; es fehlt irgendwie an Geschmack. Das hier im Aufsatz angesprochene „Toastbrot“ finde ich stilmäßig ebenfalls geschmacklos. (Ich werde die Konnotation mit „Brunch“ nicht los!)
    Nach meinem persönlichen Bekenntnis mit vielen „Ichs“ möchte ich dem Autor Thomas Gröbly für seinen Aufsatz / Zwischenruf ausdrücklich danken!

  4. Die Hostie ist die einfachste Art. Dem kann man nur zustimmen, doch was da Abendmahl genannt wird, ist in Wirklichkeit eine spirtitistische Opferung des Jesus Christus. Dass ihm das gefällt, das bezweifle ich. Mit Toten kann man machen was man will, das mögen gewisse Leute denken, ich nicht. Er lebt und er wirkt, ausserhalb der Kirche, die ihn zur Fütterung missbraucht. Oder hat er gesagt, stellt einen Altar auf und opfert mich?

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