Wie integrieren wir die Migranten?

Jede Stadt, jedes Dorf und jede Pfarrei können wichtige Beiträge zur Integration von Migranten leisten. Die Stadt und die Kirchen von Sursee LU haben dazu in ihrem «Leitbild Integration» bemerkenswerte Grundsätze formuliert. Text: Walter Ludin

Bild: © Werner Mathis

Migration ist ein weltweites und immer wieder zu beobachtendes Phänomen. Zu allen Zeiten haben Menschen ihre Heimat verlassen und an einem anderen Ort eine neue Existenz aufgebaut.

Mit ihren Ressourcen und Potentialen leisteten sie einen wichtigen Beitrag zu den Errungenschaften ihrer Wahlheimat. Industrienationen wie die Schweiz sind heute wegen der demographischen Entwicklung und zur Sicherung ihres Wohlstandes auf Zuwanderung angewiesen. Die weltweiten Flucht- und Migrationsbewegungen stellen aber auch eine Herausforderung dar.

 

Stadt und Kirchen betrachten die Vielfalt in unserer Gesellschaft und die Verschiedenartigkeit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner als etwas Wertvolles und stellen sich den damit verbundenen Herausforderungen.

Sie begegnen allen Zugewanderten mit Offenheit und Respekt. Mit dem vorliegenden Leitbild haben sich Stadt und Kirchen von Sursee auf eine gemeinsame Stossrichtung zur Integrationsförderung geeinigt. Daraus abgeleitete Handlungsmassnahmen werden den zuständigen Räten zur Genehmigung vorgelegt.

 

Die Stadt und die Kirchen von Sursee setzen sich für eine erfolgreiche Integration der Migrationsbevölkerung ein und schaffen gute Voraussetzungen für eine konstruktive Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure.

Sie tun dies im Bewusstsein, dass Integration ein bewusster und langfristiger Prozess ist, der sowohl die erkennbare Integrationsbereitschaft der Migrationsbevölkerung als auch die Aufnahmebereitschaft der einheimischen Bevölkerung voraussetzt. Ein zentraler Schlüssel zur Integration ist der Erwerb der Landessprache.

 

Grundsätze

Die folgenden Grundsätze sind ein Bekenntnis zu einer gemeinsamen Haltung sowohl innerhalb der städtischen und kirchlichen Strukturen (Räte, Organe, Personal) als auch bei der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren (Vereine, Privatpersonen) und mit der Wirtschaft.

 

  • Integration beruht auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung und basiert auf den Werten der Bundesverfassung.

 

  • Die Integrationspolitik der Stadt und der Kirchen von Sursee ist geleitet von einer Willkommens- und Anerkennungskultur, denn jeder Mensch hat unabhängig von seiner Leistung, Bildung und Herkunft einen Wert und eine Würde.

 

  • Stadt und Kirchen setzen sich für einen gemeinsamen Dialog aller Beteiligten ein.

 

  • Integrationsförderung ist eine Querschnitt- und Verbundaufgabe, an der sich alle gesellschaftlichen Akteure beteiligen müssen.

 

  • Integrationsförderung findet, wenn immer möglich, in den Regelstrukturen (Schule, Verwaltung etc.) statt. Sie wird dort durch die spezifische Integrationsförderung ergänzt, wo der Zugang zu den Regelstrukturen erschwert ist.

 

  • Die Migrationsbevölkerung setzt sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und Lebensbedingungen auseinander und erlernt insbesondere eine Landessprache.

 

Nachbemerkung: Dieser Beitrag ist eine Veröffentlichung der «Artikelbörse Integration» der nord-west-europäischen Kapuziner-Provinzen/CENOC (Red. Wlu)

2 Kommentare:

  1. Aufgewachsen in Sursee, seit 60 Jahren auswärts wohnend, freut mich die Sursee’r Initiative. Es geht nun darum, diese Gedanken auch andernorts bekannt zu machen. Die Kirchen hätten dazu einen wichtigen Beitrag zu leisten, weil sie dies parteiunabhängig, Gemeinde- und Kantonsübergreifend tun können. Jeder(r) Einzelne ist dazu aufgeufen und ich bin „mitgemeint“.

  2. Mir fällt der Begriff „Integrationsbevölkerung“ auf. Ist diese Wortschöpfung in staatspolitischer Hinsicht , – quasi als Teilmenge in einer Definition des eigenen Staates -, sinnvoll?

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