Besetztes Palästina und die Leiden der Palästinenser

Zeigen, wie das Leben in Palästina aussieht, das von Israel besetzt wird. Dies ist das Ziel des Buches, das die Menschrechtes-Beobachterin Henriette Hanke Güttinger kürzlich veröffentlicht hat. In Form eines Tagebuchs erzählt sie – zumeist ohne Wertung – von den Schikanen, denen die palästinensische Bevölkerung Tag für Tag ausgesetzt ist.

Von Walter Ludin                  

Recht ausführlich berichtet die Autorin über die Zustände, an den Übergängen (Gates) zwischen Palästina und Israel herrschen. Täglich müssen Zehntausende von Palästinensern hier vorbei, wenn sie ihre Felder bebauen oder ausserhalb ihrer Gebiete arbeiten wollen. Die «Permits/Bewilligen» können jederzeit willkürlich, ohne Angaben von Gründen verweigert werden – was sehr oft geschieht. Wer zu bestimmten, sehr kurz bemessen Zeiten passieren darf, braucht dafür sehr oft viel länger als auf dem gewöhnlichen Weg, z.B. zwei Stunden statt 15 Minuten.

Checkpoint an der Mauer, die Palästina von Israel trennt. Foto: Nicolas Zumsteg
Buchautorin Henriette Hanke Grüttiger ist promovierte Historikerin. Foto: zvg

Zerstörungen

In unzähligen Dörfern, welche die Menschrechts-Beobachterin mit ihren Kolleginnen (darunter eine deutsche Jüdin!) besucht haben, erfahren sie von den Zerstörungen, welche die nach Völkerrecht illegalen Siedler angerichtet haben. So werden etwa Häuser angezündet. Bei einer der geschilderten Brandstiftungen kamen die Eltern und ein Kind ums Leben. Die Täter mussten für keinen Tag ins Gefängnis.

Oft werden «nur» Jahrhunderte alte Olivenbäume zerstört; oder auch Weizenfelder.  Dadurch werden die Lebensgrundlagen der Bevölkerung systematisch vernichtet. Damit sollen die Bauernfamilien dazu gebracht werden, ihre Dörfer zu verlassen, die sie seit vielen Generationen ihre Heimat waren; schon lange vor der Gründung des Staates Israel.

Mit schwerem Gerät zerstören Israelis im Bezirk Bethlehem Häuser von Palästinensern. Foto: Nicolas Zumsteg

Einschüchterungen

Auch die überall präsenten israelischen Soldaten haben die Aufgabe, die Bevölkerung zu schikanieren. Ein Soldat gesteht im Gespräch mit der Autorin: «Ziel ist, die Palästinenser einzuschüchtern.Einschüchtern: das macht die Armee jede Nacht.»

Die Leute in praktisch in jedem Dorf wissen davon zu erzählen, wie die Armee in Häuser eingedrungen ist. Dazu ein Soldat: «Wir klopfen nicht an, sondern schlagen die Türen ein. Dann verhaften wir einen der Bewohner.» Die Arrestierten seien völlig unschuldig.

Nach solchen Übergriffen kommt es nicht selten vor, dass Kinder und Jugendliche auf die Autos der Armee Steine werfen. Für einen Steinwurf müssen die Täter bis zu einem halben Jahr ins Gefängnis, wenn sie 13jährig oder jünger sind. Wenn die Tat als «gefährlich» eingestuft wird, ist die Strafe unlimitiert.

Ein ca. 12-Jähriger Palästinenser-Junge wird in Bethlehem von einem israelischen Soldaten verhaftet. Foto: Nicolas Zumsteg

Machtausübung

Soldaten, die im Rahmen der Organisation «Breaking the Silence» selbstkritisch ihre Taten gestanden haben, sagen unverblümt, wenn sie gefragt werden, warum sie an den Übergängen schwerbewaffnet kontrolliert und schikaniert haben: «Wir zeigen damit den Leuten, wer hier das Sagen hat.»

Dabei kommt es zu absurden Situationen. So wurde einem Bauern das Permit entzogen. Als er bei den zuständigen Behörden reklamierte, wurde ihm bestätigt, seine Bewilligung sein in Ordnung. Dennoch wurde er nicht durchgelassen. Von einer hebräisch sprechenden Beobachterin darauf angesprochen, meint ein Soldat: «Wir tun genau das, was wir tun müssen. Wir tun das, was uns der Computer zu tun anweist.» Der aus Deutschland stammenden Frau verschlägt es die Sprache …

Hoffnung trotz allem 

Die Schilderungen des Leidens der palästinensischen Bevölkerung könnte einen depressiv stimmen. Zwar wird von der eigenen politischen Führung so gut wie nichts erwartet. Dennoch gibt es im Buch Hoffnungsvolles; etwa den Hinweis, dass heute «viele Israelis die Situation der Palästinenser besser verstehen und sich für einen gerechten Frieden einsetzen.»

Und der Bürgermeister eines Dorfes meint zuversichtlich: «Das Unrecht wird nicht ewig weitergehen. Eines Tages werden wir unsere Rechte bekommen.»


Henriette Hanke Güttinger: Das ist Palästina … Bericht aus dem Besetzten Palästinensischen Gebiet. 2021.
187 S., ISBN: 978-3-033-08597-8
Für CHF 18.- erhältlich bei der Autorin: henriettehankeguettinger@gmail.com. Oder im Buchhandel.

4 Gedanken zu „Besetztes Palästina und die Leiden der Palästinenser“

  1. Erschütternd, ich höre von einem Freund im Gazastreifen ähnliches. Das ist das eine, wir wissen es ja.

    ABER warum schweigt die Weltgemeinschfaft, weshalb sagen die UNO, der Sicherheitsrat, die EU, die neutrale Schweiz nichts dazu?!!!

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  2. Es ist unerträglich, wie das Narrativ des AT nicht nur die absurde „Auserwähltheit“ eines einzigen angeblich gottgefälligen Volkes zu Lasten der „Sklavenvölker“ zementiert, sondern auch noch die Überheblichkeit der aggressiven Zersetzungskriege und Landnahmen rechtfertigen soll! Sogar die christliche Lehre wurde durch diese absolutistische Irre unterwandert, obwohl die Evangelien übermitteln, wie Jesus gesagt hatte (gesagt haben soll…) „Ihr habt gehört wie euren Vätern gesagt wurde, ICH ABER SAGE EUCH….“
    Es scheint, dass dieses essentiellen Teile der „Frohbotschaft“ nur Gültigkeit haben sollen, wenn es den „Auserwählten“ in den Kram passt.
    Ich empfinde die Anerkennung des AT als göttliches Wort als Häresie.

    Erst gestern berichtete PublicEye von globalen Konzernen mit Sitz in unserem Land über deren Besitzungen von Plantagen in aller Welt zu Lasten der ansässigen Menschen.
    Da kommt mit die Bergpredigt in den Sinn: „die Sanftmütigen werden das Land besitzen“.
    Da gibt es 3 mögliche Interpretationen:
    1. die Besitzenden sind diese „Sanftmütigen“,
    2. wir sind noch nicht soweit, der Besitz wird erst noch zu den Sanftmütigen wechseln, Geduld,
    3. auch die Bergpredigt wurde zu Gunsten der Machthaber um-übersetzt.
    Man sieht nur mit dem Herzen gut, oder nach dem Römischen Katechismus…. Nr. 1776 (das Gewissen des Menschen)

    Jedenfalls tut es gut, dass hier diese Probleme überhaupt angesprochen werden, Danke!

    https://us11.campaign-archive.com/?e=c46f9a386d&u=70b9fc567465118fa0b7b6e67&id=e476bbda60

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  3. Mit einem Stein hätte David den Goliath besiegt. Er eroberte die Stadt Jerusalem und Jesus, ein Spross aus diesem Geschlecht, starb in Jerusalem den grausamen Tod am Kreuz, weil er dem Volk die Befreiung von diesem falschen Gott bringen wollte. Er ist bis heute an der Macht, dieser falsche Gott, und er treibt sein Unwesen wo er kann. Das Verhalten einiger Israeli ist für das ganze Volk ein riesiger Schaden und steht dem Frieden im Weg.

    Die Palästinenser, die bei der Aufteilung übergangen wurden, weil Palästina kein Staat war, versuchten sich zu wehren und erreichten nicht, was sie wollten. Das Territorium, das sie bekommen haben, ist durchlöchert wie ein Sieb und kann leicht angegriffen werden, was böse Israeli ausnützen. Schon einige Staatsmänner haben versucht, die Situation zu ändern und wenn sie es erreicht hätten, die Palästinenser aber von Jerusalem ganz hätten weg müssen, dann wären sie nicht zufrieden gewesen. Ja an diesem Jerusalem hängt viel. Was würde Jesus dazu sagen? Ich glaube: „Was ihr braucht, ist nicht Religion, sondern die Kraft des wahren Gottes. Es gilt für beide Seiten.“

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  4. Chers amis,
    Depuis longtemps au courant de cette situation grâce à d’anciens-nes étudiants-es qui ont été comme témoins aux checkpoints. Le gouvernement d’Israël se réfère régulièrement au mythe du Grand Israël pour justifier sa politique d’occupatin Or, il n’a jamais existé (cf. Thomas Römer, L’Ancien Testament,Paris, Que sais-je, 2019, chap IV. Joyeux Noël. Rjc.

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