Bleibt dran! Gebt nicht auf!

Endlich gibt es einen Lichtblick in der weltweit verfahrenen Klimasituation. Am Freitag, 15. März habe ich an der Demo der Jugendlichen in Basel teilgenommen. Vom Münsterplatz bis zum Kasernenplatz – durch die ganze Altstadt – verlief alles ganz geordnet und friedlich, obwohl eine große Zahl von wohl rund tausend Menschen teilgenommen haben.

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Es ist sehr erfreulich, dass die dringenden Probleme von den jungen Leuten, die ja am meisten davon betroffen sein werden, so engagiert angegangen werden. Der Klimawandel wartet nicht, es ist nicht fünf vor Zwölf, sondern eher schon fünf nach Zwölf.

Einige Beispiele sollen hier genannt werden: Es ist einfach unverständlich, dass die Subventionierung des Kerosins für Flugzeuge noch nicht abgeschafft wurde. Die Flüge müssen zudem um mehr als das Doppelte teurer werden, anders bekommt man die vielen unnötigen Flüge vermutlich nicht in den Griff. Im übrigen ist es statistisch gesichert, dass kein Volk auf der Welt – im Verhältnis zur Zahl der Einwohner – jährlich so viel fliegt wie die Schweizer. – Was die desolate Verkehrssituation auf Strassen und Schiene betrifft, könnten etwa die Hälfte aller Fahrten, bei denen Lebensmittel – auch lebende Tiere – hunderte von Kilometer in andere Länder verfrachtet werden und nach der billigeren Bearbeitung dann wieder zurück, gespart werden. Dagegen wird schon lange protestiert, ohne dass sich viel geändert hat. Es ist auch überflüssig, alle Produkte der Landwirtschaft das ganze Jahr essen zu können, z.B. Erdbeeren an Weihnachten. – Die Hochhäuser, die inzwischen auf allen Meeren herumfahren, müssten verboten werden. Sie zerstören sehr viel, nicht nur in Venedig. Die ungeheueren Abfallmengen, denen man an vielen Orten gar nicht mehr Herr wird, stinken zum Himmel. Sie verschandeln nicht nur Erde und Luft, sondern bringen auch Krankheiten u.a. Es gibt noch viele andere Ecken, an denen gespart werden muss, so etwa am hemmungslose Gebrauch von Energie (air condition, Leuchtreklamen u.a.) Es reicht nicht, wenn eins ums andere langsam in Angriff genommen wird, es muss alles in einer konzertieren Aktion, sozusagen gleichzeitig, geschehen, und zwar JETZT.

Immer wieder wird über zahlreiche technische Mittel diskutiert, um den CO² Ausstoss zu verringern. Sicher kann die Technik vieles, aber hier braucht es etwas anderes: ein ganz radikales Umdenken. Die Hauptfrage darf nicht mehr sein „Wo erziele ich den größten Profit?“, sondern es muss heissen: „Was kann ich tun, um der Umwelt, dem Klima, der Natur und den Menschen möglichst zu helfen oder wenigstens nicht zu schaden?“. Der Wachstumsmythos ist überholt, kein Baum und kein Mensch wächst immer weiter und höher hinauf. Jede/r muss abspecken, seine Ansprüche senken. Wenn wir nicht bereit sind, von unserem Wohlstand einiges abzugeben, verlieren wir ihn später ganz.

Das Argument, die Schweiz sei zu klein, um einen grossen Einfluss auf das Weltgeschehen zu haben, ist nicht richtig. Es geht nicht nur um das, was in unserem Land passiert, sondern auch um mehrere Banken und grosse Konzerne, die auf anderen Kontinenten an beträchtlichen Schäden beteiligt bzw. dafür verantwortlich sind. Der Anteil der Schweiz am globalen Schaden ist im Verhältnis zu ihrer Grösse sehr hoch.

Liebe Schüler und Schülerinnen: Bleibt dran! gebt nicht auf! Viele Grosseltern sind auf Eurer Seite (es gibt bereits einen Verein von Seniorinnen).

Prof, Dr. Helen Schüngel-Straumann

3 Gedanken zu „Bleibt dran! Gebt nicht auf!“

  1. Es ist sehr wichtig, das die klima-, ja angstbewegte Jugend ernst genommen wird. Denn die Gegenparolen entlarven sich als Vernebelungs-, ja Diffamierungskampagnen, die nur den Unwillen bestätigen, vom bisherigen bequemen und machterhaltenden Weg abzurücken. Man merkt die plumpoe Absicht und ist äusserst verstimmt. Auch die Klimasenioren fühlen sich von der bisherigen Politik im Stich gelassen und unterstützen deshalb laut und deutlich den Protest der kommenden Generationen.

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  2. Es ist Ihnen zuzustimmen. Die fachspezifische Wissenschaft mahnt bereits seit Jahrzehnten an, in Bezug auf Klima und Umwelt grundlegend umzudenken. Aber auch andere Autoren wiesen auf das dringende Anliegen hin, dass die Macht, die der Mensch sich durch den Forschritt der Technologie erworben hat, bei unbedachtem Gebrauch sich gegen die gesamte Umwelt, aber auch gegen den Menschen selber verheerend wenden kann. Zu denken ist, neben vielen andern, an Hans Jonas, Georg Picht oder Carl Friedrich von Weizäcker. Insofern ist es schon längstens fünf vor Zwölf.
    Allerdings: Die Umkehr wird ihre Zeitdauer fordern. Sie muss, trotz Zeitnot, wirtschaftsverträglich sein. Wirtschaftswachstum darf als Wert keineswegs verabsolutiert werden. Aber es ist letztlich immer das Wirtschaftswachstum, das den Fortschritt von Forschung und Wissenschaft ermöglicht. Diesen Umstand sollte man nie aus den Augen verlieren. Mit intelligenten, von der Wissenschaft gestützten Massnahmen, lässt sich das Problem vielleicht immer noch angehen, auch wenn Klimaprozesse, einmal
    in Gang gesetzt, sehr träge Prozesse sind.
    Aber wir alle, keineswegs nur die Wirtschaft, sind gefordert. Auch die durchschnittlichen Konsumenten müssen Abstand nehmen von immer mehr Wohlstand. Denn immer mehr Wohlstand bedeutet zwingend immer mehr Energie, d.h., zum Teil immer mehr Eingriffe in die Umwelt.
    Sie haben völlig recht: Die Jugendlichen sollen dran bleiben, uns Alten den Marsch blasen! Morgen sind sie dran, diese Probleme zu bewältigen.

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  3. Es ist die Gier der Menschen und die Profitgier der Konzerne, die ungeheuren Schaden anrichten.
    Gesetze zum Schutz der Natur müssen sofort erlassen werden !!! sonst müssen unsere Enkelkinder in einer völlig kaputten Welt leben.

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