Ukraine: Die Waffen nieder! Sagt’s vielen, vielen…

Die Waffen nieder, würde Berta von Suttner zum Krieg in der Ukraine sagen: «Keine Waffen, keine Söldner und junge Männer in die Ukraine schicken.» Berta von Suttner lebte von 1843 bis 1914. Sie erhielt 1905 den Friedensnobelpreis. (mehr»)

Screenshot: yle.fi, Finnisches Fernsehen (Heinrich Frei)

In der russischen Nachrichtensendung «Wremja» erschien plötzlich eine Frau, Marina Owsiannikowa, mit einem Protestplakat: «Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen. Russen sind gegen Krieg.»

von Heinrich Frei

Ziviler Widerstand – eine Alternative zur Gewaltlogik


Ich wurde kürzlich zu einer Zoom-Konferenz, am 14. März zum Thema: «Ziviler Widerstand – eine Alternative zur Gewaltlogik» eingeladen. Der Mann der mir die Einladung schickte, meinte: «Ich persönlich sehe zwar im Moment keine Alternative zur Lieferung von Rüstungsgütern. » (an die Ukraine) «Es gilt doch jetzt einfach die Aggression sofort stoppen, die so viel unendliches Leid und Tränen von unschuldigen Menschen – und in der Folge auch Hass – verursacht! »

In der Einladung zu der Zoom-Konferenz konnte man lesen: «Es ist Krieg. Die (deutsche) Bundesregierung hat ihre Rüstungspolitik fundamental geändert. Rüstungsgüter werden in die Ukraine geliefert und der Rüstungsetat wurde um 100 Milliarden Euro aufgestockt. Das scheint alternativlos und vernünftig zu sein. Ist es das auch? »

Die Ukraine brennt. Soll man dieses Haus das in Flammen steht mit Benzin, mit der Lieferung von Waffen löschen? Sollen die Ukrainer sich zu Tode verteidigen, zusammen mit Söldnern und jungen Männern aus dem Ausland das Blutvergießen verlängern?

In der Berichterstattung wird die ausländische Einmischung vor dem Krieg in der Ukraine eher selten kritisch kommentiert. Immerhin konnte man kürzlich folgendes im Zürcher Tagesanzeiger lesen: «Bekannt ist, dass die CIA im amerikanischen Bundesstaat North Carolina einen Stützpunkt hat, wo sie ihre Offiziere ausbildet. Seit 2015 trainiert die CIA dort auch kleine Gruppen von Ukrainern für paramilitärische Operationen.» (Quelle»)

Auch auf der Internetplattform InfoSperber konnte sich der ehemalige Journalist des Schweizer Fernsehens, Helmut Scheben kritisch zu der Vorgeschichte des Krieges in Ukraine zu äußern. Helmut Scheben veröffentlichte auf InfoSperber am 16.03.22 zur Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine folgenden Text: «Die Medien und die Ukraine: Simplifizieren als Geschäftsmodell».

Deutschland und Schweiz schüren Kriege

Deutschland beteiligt sich immer wieder an Kriegen und gehörte von 2017 – 21 zum fünftgrößten Waffenexporteur dieser Erde. Ende 2020 waren 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Viele dieser Menschen mussten von Kriegen flüchten, wie jetzt die drei Millionen Personen, die aus der Ukraine geflohen sind nach dem Angriff Russlands. Rüstungskonzerne Deutschlands wie der Schweiz exportierten bis 2014, bis zur Einverleibung der Krim, auch Kriegsmaterial nach Russland.

Die kleine Schweiz exportierte in den letzten Jahrzehnten ständig Kriegsmaterial an kriegführende Staaten, wie Deutschland. Laut der offiziellen Statistik des Bundes verkaufte Helvetien von 1975 – 2020 für 20,1 Milliarden Franken Kriegsmaterial ins Ausland, zu einem großen Teil an kriegführende Staaten, in Spannungsgebiete und an menschenrechtsverletzende Regimes.

1956: Ungarn, 1968: Tschechoslowakei, 2022: Ukraine

Bis heute, am 16. März 2022, sollen bereits über 3 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen sein. 1956, nach der Invasion der Sowjetunion in Ungarn verließen 200’000 Personen das Land. Der Volksaufstand in Ungarn forderte 1956 2500 – 3000 Tote. 1968, nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt Truppen in der Tschechoslowakei verließen auch etwa 200’000 Menschen das Land. In der Tschechoslowakei wurde vor allem zivilen Widerstand gegen die Besatzer geleistet, was weniger Opfer forderte als in Ungarn. Im Zeitraum von August bis Dezember 1968 kamen aufgrund der militärischen Intervention 137 tschechoslowakische Staatsbürger ums Leben. Wie viele Opfer hätte «Ungarn 1956» und «Tschechoslowakei 1968» wohl gefordert, wenn wie jetzt im Krieg in der Ukraine vom Ausland riesige Mengen Waffen geliefert worden wären und ausländische Kämpfer und Söldner dabei gewesen wären?

Gibt es eine Alternative zu militärischen Lösungen?

Soll sich die Ukraine gegen die Invasion Russlands weiter militärisch verteidigen, falls die eingeleiteten Verhandlungen scheitern? Gibt es wirklich keine Alternative als mit der Waffe in der Hand gegen Besatzer zu kämpfen? Ist es richtig, dass jetzt aus vielen Ländern der Ukraine für diesen Krieg Waffen geliefert werden und es von einigen Ländern erlaubt wird, dass sich ihre Bürger am Krieg beteiligen? Die katholischen Bischöfe in Deutschland halten Waffenlieferungen an die Ukraine für ethisch vertretbar . Auch die geplante Stärkung der Bundeswehr sei «grundsätzlich plausibel», heisst es in einer Erklärung zum Ukrainekrieg. (Quelle»)

Rainer Schmid: gewaltfreie Alternative eines zivilen Widerstandes

Rainer Schmid, Pfarrer in Aalen, hat die Zoom-Konferenz am 14. März mit einem Referat über die gewaltfreie Alternative eines zivilen Widerstandes eingeleitet, über die Strategien und auch die Erfolgsaussichten von solchen Aktionen. Rainer Schmid war früher Pfarrer in Friedrichshafen. Er war dort nicht mehr «tragbar« da er sich gegen die Rüstungsproduktion in dieser Stadt am Bodensee stellte. Siehe die Dokumentation «Waffen vom Bodensee»

Warum ziviler Widerstand funktioniert

Rainer Schmid dokumentierte an der Zoom Konferenz: «Sicherheit lässt sich mit gewaltlosen Aktion besser herstellen als mit Militär. Nach militärisch geführten Befreiungskriegen ist die Gefahr auch groß, dass keine demokratischen Verhältnisse erreicht werden können. Pazifisten sind die besseren Realisten». Erica Chenoweth zeigte dies 2011 in ihrer Studie «Why Civil Resistance works» (Warum ziviler Widerstand funktioniert)

Da Krieg in den Köpfen der Menschen beginnt…

In der Präambel der UNESCO Charta heisst es: «Da Krieg in den Köpfen der Menschen beginnt, muss in den Köpfen der Menschen Vorsorge für den Frieden getroffen werden». Aber besonders durch unsere Erziehung zum Gehorsam, durch unsere Schulbildung und Beeinflussung durch die Medien wird leider nicht «Vorsorge für den Frieden» geschaffen. «Zur Verteidigung gegen den äußeren und inneren Feind gibt es nur die Armee», denken wir. Alternativen, wie der gewaltlose Widerstand, sind weitgehend unbekannt. – Je nachdem wo wir aufgewachsen sind und wie wir informiert wurden, haben wir eben unsere Vorstellungen.

Es gibt heute Alternativen zum Vorgehen mit Gewalt die durchaus erfolgreich sein können, wie es sich 1990 zum Beispiel in Estland, Lettland und Litauen, im Baltikum zeigte, wie man es auf den Philippinen sah. Der Diktator Ferdinand Marcos wurde durch die gewaltlose People Power Revolution abgesetzt.

Der Berliner Friedensforscher Theodor Ebert sah die soziale Verteidigung als eine vorsichtige Überlebensstrategie in einer, unter anderem durch Atomwaffen, immer stärker bedrohten Welt, die durchaus erfolgreich sein kann.
Quelle: Lebenshaus-Alb.de

«Gewaltfreier Aufstand – Alternative zum Bürgerkrieg»

Der Berliner Friedensforscher Theodor Ebert verfasste 1972 die Studie «Gewaltfreier Aufstand – Alternative zum Bürgerkrieg» (erschienen auch als Taschenbuch). Ebert war auf dem Baltikum als Berater für ein gewaltloses Vorgehen tätig. Ein gewaltloses Vorgehen war im Baltikum erfolgreich: 1990 in Estland, Lettland und Litauen. Der Kampf für die Befreiung und die Unabhängigkeit der baltischen Staaten wurde gewaltlos geführt. Im Zuge der Auflösung des sowjetischen Imperiums, die Gunst der Stunde unter Gorbatschow nutzend, erreichten die Balten ohne Krieg die Unabhängigkeit und den Abzug der Roten Armee. Nach 50 Jahren Diktatur gelang es gewaltlos, die russische Besatzung zu beenden. Ein gewaltsames Vorgehen der Esten, Litauer und Letten gegen die russischen Besatzer, mit Bomben und Attentaten, hätte sicher eine blutige Reaktion der Roten Armee ausgelöst, wie 1999 in Tschetschenien. Die Sichtweise, ein Regime der Diktatur und der Unterdrückung zu überwinden sei nur mit Gewalt möglich, stellte auch der friedliche Umbruch in Osteuropa und der Falle der Berliner Mauer in Frage.

Erfolge von gewaltlosen Aktionen unter dem Naziregime

Auch unter extremen Diktaturen, in Norwegen und Dänemark sogar unter dem Naziregime, waren gewaltlose Aktionen oft erfolgreicher als Operationen der bewaffneten Résistance in Frankreich oder Jugoslawien. Dazu gibt es eine umfangreiche Literatur, zum Beispiel das Buch «Die gewaltfreie Aktion» von Gernot Jochheim, vom Verlag Rasch und Röhring, 1984. Diese Studien wären gerade heute in unserer so gewaltgläubigen Zeit, des Krieges in der Ukraine und des so genannten weltweiten Krieges gegen den Terror aktuell.


Internationale der Kriegsdienstgegen zum Krieg in der Ukraine:

«Die ukrainische pazifistische Bewegung verurteilt alle Militäraktionen auf Seiten Russlands und der Ukraine im Kontext des aktuellen Konflikts. Wir rufen die Führung beider Staaten und Streitkräfte auf, einen Schritt zurückzutreten und sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Frieden in der Ukraine und auf der ganzen Welt kann nur auf gewaltfreiem Weg erreicht werden. Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Wir sind daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.»

www.idk-info.net/

5 Gedanken zu „Ukraine: Die Waffen nieder! Sagt’s vielen, vielen…“

  1. Danke!
    Ein guter und dringend notwendiger Beitrag!
    Ziviler Widerstand lässt Zeit für tieferes Nachdenken und Fühlen, verhindert sehr viel Schmerz und Zerstörung.
    Die Wahrheit wird uns frei machen, nicht der heldenhafte Aktivismus.

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  2. Ich habe grossen Respekt vor allen Überlegungen, die Möglichkeiten der Gewaltfreiheit aufzeigen, und ich will die Erfolge auch keineswegs bestreiten. Ich habe aber ebenso meine liebe Mühe, wenn wir „aufgeklärte“ Menschen im sicheren Westen mit solchen Argumenten dem ukrainischen Volk direkt oder indirekt zumuten, auf die Verteidigung seiner völkerrechtlich legitimierten Selbstbestimmung zu verzichten (oder mangels ebenbürtigen Waffen damit zu scheitern). Sind die Situationen, in denen gewaltlose Strategien „Erfolg“ hatten, denn vergleichbar mit der aktuellen Bedrohungssituation? Und wie wird „Erfolg“ gemessen und vor allem bewertet? Was bedeutet es, wenn mehrere Generationen unter einer fremden Diktatur leben und die Menschen täglich riskieren, in ein Straflager abgeschoben zu werden, wenn sie den Mund aufmachen? Im zunehmend digital geprägten Umfeld haben es Unrechtsregimes leichter als auch schon, eine umfassende Kontrolle aller Untertanen (sic) aufzubauen und damit gewaltlose Strategien zu erschweren bis zu unterbinden (Beispiel China/Uiguren). Und um das zitierte Beispiel Ungarn zu nennen: Dieses Volk leidet soziokulturell bis heute und wohl noch lange darunter, dass es immer wieder „untergebuttert“ worden ist und sich nicht wehren konnte. Trotzdem: Überlegungen und Diskussionen zu gewaltfreien Strategien sind legitim und wichtig, taugen aber m.E. nicht ohne weiteres als exklusives Modell.

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  3. Despoten verachten Appeasement-Verhalten in jeder Form!

    Ja, die Friedensbewegungen weltweit leisten einen grossartigen und zugleich unverzichtbaren Dienst, um einen erneuten Kultur- und Zivilisationsbruch zu verhindern, wie wir ihn im letzten Jahrhundert – von Deutschland ausgehend – erlebt haben.

    Ja, es ist richtig, Gewalt und Kriegslüsternheit beginnt immer in den Köpfen; deshalb ist es wichtig, dass wir durch Bildungsaktionen und Demonstrationen immer wieder das Gewissen von Menschen schärfen, die über Krieg und Frieden zu entscheiden haben.

    Doch genauso wichtig ist es, dass wir Menschen in einem Land, das von einem menschenverachtenden Despoten und Diktator von einem an Brutalität und Grausamkeit kaum zu überbietenden Krieg überzogen worden ist, nicht allein lassen.

    Auch Pazifisten müssen doch zugeben, dass in dieser aktuellen Situation durch noch so viel Beten und Kerzen das brutale Morden nicht gestoppt werden kann. Das ist eine bittere Erkenntnis, die ich mir nicht zu verdrängen erlaube.

    Welche Mittel adäquat sind, um einen furchtbaren Diktator zu stoppen, darüber kann man gewiss unterschiedlicher Ansicht sein. Es ist jedoch meine feste Überzeugung, dass ein Pazifismus, wenn er als Mantra-Ideologie daherkommt, den Menschen in der Ukraine keinen lebensrettenden Dienst leistet.

    Man kann doch, wenn ein Haus brennt, nicht vor dem Haus eine Friedenslitanei beten und hoffen, dass das Feuer erlischt. Das ist doch realitätsblind und wohlfeil, wenn ich an die Menschen in den Bunkern und Kellern in der Ukraine denke, vor allem an die Frauen und Kinder.

    Ein Blick ins letzte Jahrhundert hat in mir die Überzeugung wachsen lassen, dass eine Appeasement-Politik gegenüber Despoten und Diktatoren nie ein adäquates Mittel der Kriegsverhinderung sein kann.

    Gefordert sind doch Entschlossenheit und Geschlossenheit von Menschen, die dem Aggressor unmissverständlich deutlich machen, dass er bei Überschreitung von international anerkannten Grenzen – gesetzt vom Völkerrecht – beim Einsatz von Panzern, Soldaten und Raketen mit entschiedener Gegenwehr zu rechnen hat.

    Und diese Gegenwehr besteht eben nicht aus Kerzen, Weihrauch und Gebeten, sondern aus die Aggression des Aggressors ebenbürtig ausgestalteter Gegenwehr. Nur so können wir verdeutlichen, dass das Recht des Stärkeren kein Mittel für ein friedliches Miteinander ist, sondern immer nur die Kraft der Gesetze.

    Entsetzlich und menschenverachtend finde ich im gegenwärtigen Krieg die Rolle des Moskauer Patriarchen. Doch auch hier zeigt sich erneut: Eine nicht von den Gesetzen und Geboten der Aufklärung und rationaler Entscheidungen geprägte Organisation versündigt sich immer wieder an denjenigen Geboten, die für jede Glaubensrichtung prioritär sein sollte: Nicht der Gewalt von Mächtigen zu dienen, sondern dem Schutz von Menschen. Auch hier bietet das letzte Jahrhundert zahllose Lehrbeispiele!

    Mein Fazit:

    • Gegenüber von Diktatoren und Despoten ist jede Appeasement-Politik auf verlorenem Posten; eine solche Politik nährt nur den unstillbaren Hunger des Despoten nach einem Mehr an Gewalt, Macht und imperialer Grösse.

    • Auch überzeugte Pazifisten können die sich in der Geschichte immer wiederholenden Handlungsstränge von Despoten/Diktatoren nicht durch Gebete neutralisieren.

    • Ich rede mit diesem meinem Statement nicht dem Bellizismus das Wort, sondern fordere Mut und Geschlossenheit aller demokratisch gesinnten Menschen und Staaten ein, um – auch mit militärischen Mitteln – das unermessliche Leid und den Tod vieler Tausender nichts ins Unermessliche anwachsen zu lassen. Die Politiker, diese Linie vertreten, sind in meinen Augen keine Kriegstreiber, sondern verantwortlich handelnde Menschen, die das Ausmaß von Tod, Gewalt, Zerstörung und Menschenverachtung zu begrenzen trachten. Diese Menschen finden meinen Respekt, meine Zustimmung und ich bete, dass sie erfolgreich sein mögen.

    Paul Haverkamp, Lingen

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  4. Ja, ich hätte mir auch gewünscht, dass dieses Jahrhundert unter einem anderen Vorzeichen beginnt als das schrecklichste aller – 20 Jh. – der Menschheitsgeschichte. Aber Putin hat mit dem Tschetschenienkrieg, Georgien, Syrien, der Krim/Donbass von Anfang an eine blutige Spur gelegt, ganz zu schweigen von zig anderen bewaffneten Konflikten – wie z.B. der brutale, und fast vergessene Krieg in Jemen.

    Es ist die grösste Illusion wohl, dass der Mensch friedfertig ist. Zu viel teilen wir mit der DNA unserer nächsten Verwandten, den Schimpansen. Nur meinen wir immer, wie grossartig und toll wir sind.
    Kein Ziel ist schwieriger als Frieden auf Erden. Traurig und schade.

    Ich kann es aber nicht hören, wenn Sofa-Menschen, in ihren noch sicheren und warmen Stuben schreiben, die Ukrainer/Innen* sollen sich nicht zu Tode verteidigen – wie Bitte? Putin gewähren lassen? Die Ukraine als von Menschen, Tier, Natur und Kultur dezimierter Pufferstaat vor den Toren Mittel- und Westeuropas weiterhin drangsalieren zu können.

    Wo waren all die Friedensbewegten, als es darum ging, ihre Aufmerksamkeit auf das Abschlachten Syrischer Menschen zu lenken? Ja ja – sind ja nur Araber/Muslime mehrheitlich. Wie widerwärtig! Und wo waren all die Friedensbewegten, die russischen Oppositionellen zu unterstützen und die Politiker/Innen* vor ihrer Energiepolitik (wie wunderbar ist es doch, in warmen, CO2-Stuben zu hocken, anstatt endlich vorwärts zu machen mit den Erneuerbaren) mit Russland zu warnen. 600 Jahre Unterdrückung: das ist Russland. Laut Lenin (1914) die zweitgrösste Kolonialmacht der Welt, damals noch nach den Briten. 600 Jahre Unterdrückung durch Zare, Diktatoren, ein kleines kurzes winzigstes Aufflackern von Demokratie in den 90iger Jahren… Russland hat alle anderen Länder in weiten Teilen Vorderasiens und Zentralasiens unterjocht, Jahrhunderte lang. Und Russland erzählt uns etwas von wegen dominantem Westen? 80 Jahre etwa sind die U.S.A. eine imperiale Macht, mit allen Schweinereien, die auch dazu gehören, aber die Amis sind verglichen mit Russland/Sowjetreich fast ein Witz.

    Wir wollten es alle nicht wahrhaben, was sich da zusammenbraut. Die Linken nicht, die Rechten nicht, die in der Mitte nicht. Zuerst Wohlstand und das Fressen, dann die Moral. Und jetzt haben wir eine Schlamassel, das ganz ganz böse enden kann. Putin könnte zu allem bereit sein. Je eher wir ihn vernichten, umso besser, mit seiner ganzen Entourage. Es ist dieselbe grausige, traurige Geschichte wie mit Hitler. Nur diesmal mit Atombomben. Da nützt alle Friedenspolitik zurzeit gar nichts. Leider.

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  5. Wir sind jetzt im 43. Tag des sinnlosen, verbrecherischen Zerstörens, Mordens und Entmenschlichens in der Ukraine. Die Entscheidung der Ukraine (der Regierung und eines großen Teiles der Ukrainer/innen) zum Krieg – was unbezweifelbar zu ihren Möglichkeiten gehört – macht jegliche pazifistische Überlegung zur Makulatur. Wenn der ukrainische Verteidigungsminister in Brüssel vor den Mikrophonen der Weltpresse nichts anderes verlangt als „Weapons, wapons, weapons“; wenn er damit ’nur‘ wiederholt, was sein Präsident seit dem 24. Februar 2022 unaufhörlich und unermüdlich jeden Tag aufs Neue vor allen Parlamenten Europas fordert; wenn fast alle – nicht nur die EU-Staaten – Staaten Europas, die Militärbudgets (D: 100 Milliarden; A: 10 Milliarden als neutraler Staat) aufstocken, ihr Waffenarsenal aktualisieren – um nur den kleinsten Teil der weithin herrschenden pro-kriegerischen Stimmung zu verdeutlichen, was von den Militärs mit verdächtiger Eile als Sicherheitsbedürfnis interpretiert und entsprechend ausgebeutet wird – dann haben Themen wie aktive Gewaltfreiheit oder Möglichkeiten der „sozialen Verteidigung“ – in der Praxis des Alltag – einfach keinen Platz mehr.
    Wäre es – an irgendeinem gesegneten der letzten 43 Tage zu einem Waffenstillstand gekommen – hätte es Raum und auch Kraft für nicht-militärische, für friedens- und lebensfördernde Themen und Überlegungen gegeben. Bis dato kam es nicht dazu; es blieb bei mehr oder weniger langen und ausführlichen, immer aber wirkungslosen, Appellen. Es ist dem verbrecherischen Angreifer in unglückseliger Verbindung mit dem bewaffneten Verteidiger gelungen, dem – in meinen Augen ganz und gar nicht falschen Leitgedanken – ‚Wandel durch Handel‘ vollkommen zu diskreditieren, den ihm innewohnenden, auf auf friedliches Miteinander vertrauenden Grundgedanken, in ganz kurzer Zeit jegliche positive Bedeutung auszutreiben. Man hat also in aller Eile das ‚Kind mit dem Bade‘ ausgeschüttet und den Stein ganz schnell verworfen, der sich anderntags (oder mit der Zeit) als Eckstein für eine Zukunft erweisen hätte können.
    Vielleicht aber braucht es das Ganz-Andere: Eine Weggemeinschaft von mindestens 500.000 – 1 Million europäische (!!) Pazifisten/innen aller Weltanschauungen, die – waffenlos (!) und mit Nahrungsmitteln für eine Woche – die Ukraine von Lwiew bis zur Krim regelrecht „überschwemmen“ und ein menschliches Schutzschild aufbauen, in dessen Schutz und Schatten Raum und Zeit entstehen sollte oder könnte, das russisch-ukrainische Schwert in eine europäische Pflugschar umzuschmieden. Verrückkte Zeiten brauchen verrückte Maßnahmen und verrückte Probleme verrückte Lösungsvorschläge … Pax vobiscum!

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