«Wir sind keine Schafe»

Partizipation und Macht – mit dieser Blickrichtung trafen sich Mitte Juni die Reformkatholik:innen zur Synode22. Es gelte, so die Veranstalter um den Verein tagsatzung.ch, den Funken für eine synodale und partizipative katholischen Kirche lebendig zu halten.

Von Martin Spilker*

1972 ging ein Aufbruch durch die Kirche. In den Schweizer Bistümern nahmen hunderte Katholikinnen und Katholiken die Impulse aus dem II. Vatikanischen Konzil auf und formulierten in einem einzigartigen Zusammengehen von Kirchenleitung, Laien und Fachpersonen Wege und Ziele für eine Neugestaltung der Kirche.

Vieles davon ist im kirchlichen Alltag selbstverständlich geworden. Anderes harrt bis heute der Umsetzung. Nicht zuletzt aus diesem Grund trafen sich 50 Jahre nach der denkwürdigen Synode 1972 rund 100 Personen zur Tagung Synode22 – «Macht und Partizipation» jüngst in Zürich zur Standortbestimmung. Einmütig stellten sie fest, wie wertvoll es ist, den christlichen Glauben zu teilen und gemeinschaftlich die Kirche weiter zu denken. Dabei wurde mehr als deutlich: Das geht nur miteinander.

Synodalität ist durch den von Papst Franziskus angestossenen weltweiten Prozess wieder zu einem wesentlichen Begriff der Kirche geworden. Der geht aber weit über ein römisches Dokument hinaus! Will Kirche in der Gesellschaft eine – ihre – Rolle spielen, ist ein andauernder Austausch zwischen Kirchenoberen und engagierten Christinnen und Christen unumgänglich. Dazu braucht es eine kritische Begleitung von Fachpersonen aus Theologie und Pastoral. Oder, wie es Odilo Noti, einer der Referenten treffend formulierte: «Wir sind keine Schafe!»

Bilder aus den Workshops
Fotos: Martin Spilker

Die grosse Beteiligung an diesem Anlass hat mehr als deutlich gezeigt, wieviel Sorge um, Interesse an und Verbundenheit mit der katholischen Kirche auch 50 Jahre nach der Synode 72 besteht. Dieses Potenzial gilt es ernst zu nehmen und den Austausch auf Augenhöhe zu pflegen. Eine synodale Kirche erfordert Partizipation aller Gläubigen, sonst wird sie ihrem Namen nicht gerecht.

Die Veranstalter werden aus den Ergebnissen der Tagung ein Schlussdokument erstellen. Mehr Informationen dazu finden sich demnächst auf www.tagsatzung.ch

*Martin Spilker ist freier Journalist und berichtet im Auftrag des Vereins tagsatzung.ch

2 Gedanken zu „«Wir sind keine Schafe»“

  1. Habe 1988 mein Theologiestudium abgeschlossen. Damals gab es viele Aufbruchbewegungen. Ich warte nicht mehr. Ich bin eine Frau. Also bin ich ausgetreten und in die altkatholische Kirche eingetreten. Warum soll ich eine Organisation mit meinem Geld finanzieren, die Frauen diskrimminiert? Wir müssen keine Schafe sein. Wir können neue Wege gehen. Warum Sklave bleiben, wenn ich frei sein kann? Das ändert nichts an meinem Glauben, sehr viel aber an meiner Glaubwürdigkeit.
    Gott ist groß – größer als die römisch katholische Kirche.

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