«Es gibt neue spannende Ideen im Programm»

2007 lancierte die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft der Schweiz IRAS-COTIS zum ersten Mal eine nationale Woche der Religionen. Inzwischen ist der Anlass – in diesem Jahr findet er vom 5. bis 13. November statt – fester Bestandteil im Kalender von Religionsgemeinschaften, kantonalen Behörden, interreligiösen Institutionen und Schulen geworden. Zeit für eine Zwischenbilanz mit der langjährigen Geschäftsleiterin von IRAS COTIS, Katja Joho.

Interview: Amira Hafner-Al Jabaji

Welches Fazit ziehen Sie nach 15 Jahren «Woche der Religionen»?
Katja Joho: Uns ist es in dieser Zeit gelungen, ein Netzwerk von regionalen Organisator:innen aufzubauen und sie in einen Austausch miteinander zu bringen. Sie sind alle in der interreligiösen Arbeit aktiv und schätzen es sehr, von den positiven und aber auch von den schwierigen Erfahrungen und der Situation in anderen Regionen zu lernen. Dadurch erhalten sie Anregungen für ihr Programm. Und es ist ein Netzwerk, das weit über die Woche der Religionen hinaus wertvoll ist und das auch im Falle einer schwierigen Situation bereitstehen und tragen würde. Das Netzwerk hinter der Woche der Religionen ist also ebenso wichtig während der anderen 51 Wochen des Jahres.
Ich stelle ausserdem einen Zuwachs an Knowhow fest. Bei den organisatorischen und kommunikativen Fähigkeiten, bei der Konfliktlösung, bei der Kreativ-Arbeit und bei den interreligiösen Kompetenzen. Wir tauschen uns intensiv aus, bisher bei einer jährlichen Tagung und neu zusätzlich noch bei einer Zoom-Veranstaltung. Davon profitieren alle sehr.

Alle Veranstaltungen
im Überblick:
www.wdr-sdr.ch

Für die Öffentlichkeit sind vor allem die Anlässe in der ersten Novemberwoche sichtbar. Gibt es davon heute mehr als zur Anfangszeit?
Wir hatten damals schnell die Hundertermarke an Veranstaltungen erreicht. Die Grösse des Projekts ist seit zehn Jahren stabil, abgesehen natürlich von den Covidjahren 2020/ 21, wo es zu Ausfällen kam. Dafür gibt es neu auch virtuelle Veranstaltungen, was ein Mehrwert ist. Bei einem nationalen Projekt sind die Distanzen nicht zu unterschätzen – dank eines digitalen Angebots konnte ich zum Beispiel bei einer Meditation in Genf dabei sein, zu der ich nicht hätte hinreisen können. Auch über die Sprachgrenzen hinweg sind so Besuche einfach möglich. Ich sehe das auch als eine Chance für den nationalen Zusammenhalt.

Wie erreichen sie ein Publikum ausserhalb der religiösen Gemeinschaften?
Wir haben ein Stammpublikum. Darüber hinaus erreichen wir neue Kreise, wenn wir spannende Themen und neue Formen für Veranstaltungen finden. So sind «Slam Poetry», ein Fussballturnier, gemeinsame Essen oder Besuche bei Religionsgemeinschaften attraktive Angebote, bei denen wir neues Publikum begrüssen können. Auch ganze Klassen besuchen einzelne Veranstaltungen.

Gibt es Unterschiede in den Sprachregionen?
Es läuft in allen Sprachregionen gut. Überall haben wir sowohl sehr starke wie auch schwächere Partnerorganisationen. Es ist zwar ein Mehraufwand, wenn wir unsere Austauschtreffen zweisprachig durchführen, aber der Mehrwert wird von allen erkannt. In den Rückmeldungen hören wir immer, dass gerade die Inputs von jenseits der Sprachgrenze besonders wertvoll sind. IRAS COTIS hat hier eine Brücken – und Vermittlungsaufgabe, ohne die die Informationen zwischen der Romandie und der Deutschschweiz nicht fliessen würden.

In fünfzehn Jahren haben sich die Gesellschaft und der Interreligiöse Dialog gewandelt. Beobachten Sie auch inhaltliche Veränderungen?
Inhaltlich sind die regionalen Veranstalter:innen frei. Eine Zeit lang haben wir versucht, ein Thema vorzugeben. Davon sind wir weggekommen. Die Zusammenarbeit, oft Freiwilligenarbeit, ist schon ohne Vorgaben sehr aufwändig. Da müssen die Themen aus der Gruppe wachsen. Natürlich werden aktuelle Themen aufgenommen – wie letztes Jahr beispielsweise die Pandemie. Es gibt aber auch beliebte Formate, die zeitunabhängig sind: gemeinsame Feiern, gemeinsame Essen oder Besuche bei Gemeinschaften.

In diesem Jahr findet die Woche der Religionen vom 5. bis 13. November statt. Welche besonders originellen oder spannende Veranstaltungen könne Sie empfehlen?
Es gibt spannende neue Ideen im Programm, beispielsweise Slam-Poets im Wortwettstreit mit Pfarrpersonen, ein Nachmittag mit koscherem Kochen oder eine interreligiöse Zugfahrt, die zu mehreren Gemeinschaften führt. Aber auch die bewährten Formate sind lohnend: gemeinsam feiern, beten, lachen, essen oder einander besuchen und in eine unbekannte Welt eintauchen ist ebenso spannend wie interreligiös besetze Gesprächsrunden zu aktuellen Themen. Ich bin zuversichtlich, dass sich im aktuellen Programm für jede und jeden ein passendes Angebot findet.

1 Gedanke zu „«Es gibt neue spannende Ideen im Programm»“

  1. Sehr toll. Uns in Deutschland würde dies ebenso gut tun. Zumal eher ein „Auseinanderleben“ im Alltäglichen spürbar ist.
    Weiter so!

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