Osterappell aus den Kirchen

EKS-Präsident Gottfried Locher verärgert Kirche.
Text: Wolf Südbeck-Baur

Bild: jeyeonwon auf Pixabay

 

Weil Gottfried Locher, Präsident der Evangelischen Kirche Schweiz EKS, einem dringenden Osterappell an den Bundesrat in Sachen Aufnahme von 5000 Geflüchteten aus den griechischen Lagern als Asylsuchende in der Schweiz in eine zahnlose Medienmitteilung unter dem Überschrift «Ostern: Es braucht einen Akt der Humanität»  umformuliert und abgeschwächt hat, sind die katholische und christkatholischen Schwesterkirchen verärgert. Das ökumenische Netzwerk migrationscharta.ch reagierte heute mit der Publikation des Osterappells, wie er ursprünglich gedacht war. Wir dokumentieren diesen Osterappell aus den Kirchen an den Bundesrat, den jede und jeder unterschreiben kann.

Zu den Hintergründen hält Andreas Nufer, Pfarrer der Offene Heiliggeistkirche Bern und Mitglied des ökumenischen Netzwerks migrationscharta.ch, fest: «Nachdem Bischof Felix zugesagt hatte, dass er unseren Osterappell  übernimmt und in ganz leicht abgeänderter Form veröffentlichen will, hat auch der christkatholische Bischof Harald Rein eingewilligt. Gestern Abend hat dann Gottfried Locher von der Evangelischen Kirche Schweiz mitgeteilt, dass er in dem Falle auch mitmache. Er hat allerdings einen ganz neuen Text geschrieben, der kein Appell an den Bundesrat ist, sondern eine Medienmittelung. Die Zahl 5000 Flüchtlinge hat er grad ganz weggelassen. Das hat die katholischen Geschwister sehr verärgert, aber dem Frieden zuliebe haben sie eingewilligt und Locher hat sich einmal mehr durchgesetzt.» Das Netzwerk migrationscharta.ch reagierte sofort: «Wir schalten auf Plan B und lancieren den Osterappell aus den Kirchen selbst», so Nufer. Im Wortlaut hält dieser Osterappell fest:

«In diesem Jahr erleben wir wegen der Pandemie eine düstere Osterzeit: Weltweit und hier in der Schweiz erkranken Menschen, sterben Menschen, und die betroffenen Familien und Gemeinschaften dürfen nicht begleitet werden, stehen mit ihrer Trauer allein. Gerade in dieser schwierigen Situation gilt aus christlicher Sicht die Osterbotschaft umso mehr: Der Tod hat nicht das letzte Wort; aus Jesu Christi Tod und Auferstehung geht eine neue Lebensdynamik hervor, welche die Macht des Todes bricht. Diese Tage sind auch die Zeit des jüdischen Pessachfestes – der Erinnerung an den Auszug aus Not und Unterdrückung. Gott will das Leben.

Die Pandemie hat eine grosse Welle der gegenseitigen Hilfe, der Solidarität ausgelöst. Sie hat aber auch weltweit die Ungleichheiten verschärft: Die Schwächsten in der Gesellschaft sind auch die Menschen, die am stärksten der Gefahr ausgesetzt sind. Das zeigt sich auch an der mangelnden Solidarität für die Geflüchteten. Nicht nur das Evangelium, sondern auch unsere Bundesverfassung ruft uns auf, gegen diese Ungleichheiten anzukämpfen, denn sie misst «die Stärke des Volkes» am «Wohl der Schwachen» (Präambel). In unserem Land, aber auch global soll jetzt niemand zurückgelassen werden. #LeaveNoOneBehind ist der Ruf der Stunde.

Zurzeit leben auf Griechenlands Inseln und Festland Zehntausende von Menschen unter unwürdigen Bedingungen in geschlossenen und überfüllten Lagern. Die Festung Europa liefert sie Hunger, Krankheiten, Gewalt und Sterben aus, und die Pandemie bildet nun eine zusätzliche, verheerende Gefahr. Wenn hier nicht sofort etwas geschieht, lassen wir dem Tod das letzte Wort!

Durch die Schengen- und Dublin-Abkommen und ihre Teilnahme an Frontex ist die Schweiz mitverantwortlich für das Elend im Ägäischen Meer. Sie ist Teil Europas, jetzt ist es höchste Zeit für Solidarität auch mit der im Stich gelassenen griechischen Bevölkerung. Mit unseren Osterkollekten helfen wir Opfern bereits vor Ort.

Wir rufen deshalb den Bundesrat auf, in den nächsten Tagen ein klares Zeichen zu setzen, das Europa aus der jetzigen Sackgasse holt: Er entscheidet, 5000 Geflüchtete aus den griechischen Lagern als Asylsuchende in die Schweiz aufzunehmen.

 

Aufnahmekapazitäten sind da und werden auch mit einer grossen Zahl von direkt aus Griechenland Aufgenommenen nicht ausgelastet sein. Überall in der Schweiz können Städte, Gemeinden und Kirchgemeinden, kirchliche und nichtkirchliche Hilfsorganisationen diese Menschen empfangen und betreuen. Wir sind bereit und warten auf ein hoffnungsträchtiges Ja des Bundesrats zu einer grosszügigen, grenzüberwindenden Solidarität mit den Schwächsten.

Das Leben und nicht der Tod soll das letzte Wort haben!»

Mit dem Osterappell aus den Kirchen fordert das netzwerk migrationscharta.ch den Bundesrat auf, sofort 5‘000 Menschen aus den griechischen Lagern als Asylsuchende in der Schweiz aufzunehmen. Wörtlich ruft das Netzwerk ruft dazu: «Wir vom ökumenischen netzwerk migrationscharta.ch rufen Euch in den Bistümern, Kantonalkirchen, Kirchgemeinden, Pfarreien und Solidaritätsnetzen zur breiten Unterstützung des Anliegens auf. Schliesst euch unserem Appell an, indem Ihr:

  • den Appell auf www.migrationscharta.chunterschreibt, andere dazu einladet und diesen über Social Media verbreitet
  • in  – digitalen – Osterfeiern darauf zu sprechen kommt
  • das Anliegen im Gebet mittragt
  • den Appell in Euren Medien und auf Euren Websites publiziert
  • den Appell mit einer öffentlichen Stellungnahme unterstützt
  • den Behörden in eurem Gebiet offiziell eure konkrete Unterstützung bei der Aufnahme von geflüchteten Menschen anbietet
  • euch in einem Schreiben an den Bundesrat und an Parlamentarier/innen wendet:  Schweizerische Bundeskanzlei – Bundeshaus West – 3003 Bern

Wolf Südbeck-Baur

 

 

2 Kommentare:

  1. schnetzler roland

    Es ist für mich schwer nachvollziehbar in Coronazeiten zus. Leute herein zu lassen. Heute lese ich, die Schweiz ist wieder um über 60000 Leute gewachsen. In Zeiten von mehr Arbeitslosigkeit und vielleicht inneren Unfrieden, ein grosses Fragezeichen. All diese Sachen werden von Leuten organisiert die sich keine Bange um ihren Job machen müssen.Pfarrersleute haben doch sicher hier jetzt vermehrt Seelsorgedienst. Alleinige Kinder, da hab ich kein Problem, da muss man hinschauen, aber der grösste Teil sind Wirtschaftsflüchtlinge und da haben sich die Zeiten auch in Europa geändert.Es tut mir leid, ich arbeite sehr an der Basis unserer Gemeinde, aber jetzt hat die Welt doch sehr viel grössere Probleme. Wir sollen und müssen den Flüchtlingen vor Ort helfen, das bringt etwas und Ergowan und Putin und Typen sollen sich zusammen reissen. Hierher zu holen und auch arbeitslose zu machen, der Unfrieden wird immer mehr zunehmem. In welche Politische Landschaften dies dann getrieben wird, sehen wir in Deutschland (AFD). Hier sind auch genug von diesen Leuten in Lauerstellung und warten einfach ab, dies weil die Zeit genau diesen Leuten in die Hände spielt. Sorry, eine einfache Meinung aus einem in der Basis wirklich hoch engagierte Person.

  2. Christian Vontobel

    Der Osterappell aus den Kirchen ist ein ermutigendes Zeichen der Humanität und der Nächstenliebe angesichts der weltweiten Not so vieler Menschen. Wir erfahren es alle ganz persönlich, ohne Solidarität unter den Menschen sind wir verloren. Die Kirchen sollen den Mächtigen, den Verantwortlichen und allen Menschen guten Willens mit dem Osterappell Mut zum helfenden Handeln machen.

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