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"Es reicht!" Kundgebung am 9. März in St. Gallen. Foto: Benno Bühlmann

„Es reicht!“ Kundgebung am 9. März in St. Gallen. Foto: Benno Bühlmann

In St. Gallen haben gut 2000 Personen  für eine glaubwürdige und befreiende Kirche demonstriert. Der Aufstand gegen einen untragbaren Bischof ist nötig. Ein Kommentar von Benno Bühlmann*

«Es reicht!» – Die Botschaft der Kundgebung vom 9. März in St. Gallen war unmissverständlich: «Wir haben genug von Ausgrenzung, Diskriminierung, Feudalismus und systematischem In-Frage-Stellen staatskirchenrechtlicher Strukturen», gab eine breite Allianz von 15 kirchlichen Verbänden zu verstehen. Gleichzeitig forderten sie eine neue Leitung für das Bistum Chur, eine Administrator, der «das Vertrauen der Mehrheit der Gläubigen des Bistums geniesst.» Der Aufmarsch von über 2000 Personen war zweifellos ein ermutigendes Zeichen. Die Zukunft der katholischen Kirche ist den Gläubigen an der Basis nicht gleichgültig.

Foto: Benno Bühlmann

Foto: Benno Bühlmann

Andererseits hat der permanente Widerstand gegen eine rückwärtsgewandte Kirche bei den Engagierten auch zu Abnützungserscheinungen und Resignation geführt. Vor allem jene Demonstrierenden, die bereits 1988 und 1990 gegen Bischof Wolfgang Haas auf die Strasse gingen und mit ihrem Protest immerhin erreichten, dass Haas 1997 ins Erzbistum Vaduz versetzt wurde, erlebten in St. Gallen ein unangenehmes «Déja-vu»: Warum hat die Kirchenleitung nichts dazugelernt?

Das Churer Domkapitel besteht zu zwei Dritteln aus erzkonservativen Leuten aus der Haas-Ära und bietet bei einer neuen Bischofswahl wenig Grund zur Hoffnung. Ob der als eher liberal geltende Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Bewegung in die verfahrene Situation bringen kann, ist fraglich. Zwar zeigte sich Bischof Markus Büchel beeindruckt vom Aufmarsch der Kirchenbasis, vermochte aber bei seinem Auftritt in St. Gallen leider kaum ermutigende Zeichen zu setzen. Die SBK hat kein Aufsichtsrecht über einzelne Bistümer und kann bei Personalfragen nicht direkt eingreifen. Trotzdem kommt sie nicht umhin, ihren Beitrag für den «religiösen Frieden» in der Katholischen Kirche zu leisten.

* Benno Bühlmann ist Theologe, Journalist und Mitbegründer des aufbruch

3 Kommentare:

  1. Stefaan Fleischer

    „Andererseits hat der permanente Widerstand gegen eine rückwärtsgewandte Kirche bei den Engagierten auch zu Abnützungserscheinungen und Resignation geführt.“

    Man könnte es auch anders sagen: „Die ständigen Streitereien in unserer Kirche, verbunden mit dem gleichzeitigen immer mehr fortschreitenden Verlust an Glaubenssubstanz der Verkündigung, (die zu einem Verlust des Bewusstseins des Heiligen und der Beziehung zu Gott führt) kurz, das was auch Papst Franziskus die „Verweltlichung der Kirche“ nennt, treiben zwar einige in die Arme „engagierter“ Kreise (auf beiden Seiten), noch viel mehr in die Resignation und die Abkehr von der Kirche, in die „Passivmitgliedschaft“ oder den Austritt.

  2. Die Rede von Jacqueline Keune war für mich der Höhepunkt des perfekt vorbereiteten und durchgeführten Anlasses! Ein Aufsteller! Danke den Verantwortlichen und weiter so!
    Th. Egger

  3. Hubert Krebser

    Der Kommentar ist sicherlich gut für die, die dabei waren.

    Doch für einen, der einfach mal so vorbei- und hineinschaut, ist der Kommentar nichts. Denn Formulierungen wie «Wir haben genug von Ausgrenzung, Diskriminierung, Feudalismus und systematischem In-Frage-Stellen staatskirchenrechtlicher Strukturen» lassen lediglich erkennen, dass welche unter Dampf standen oder, um mit Jeremias Gotthelf zu sprechen (aus meinem Gedächtnis sinngemäß wörtlich), „dass es ihm im Kopf herumging wie (einem anderen) das Wurmpulver im Bauch.“

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