Klimawandel: Pariser Abkommen markiert Start ins solare Zeitalter

paris4Selbst mit etwas Abstand zum Ende der Pariser Klimakonferenz fällt auf: Die Medien sind noch übervoll mit Einschätzungen und Berichten zur Konferenz. Fast als hätten sie frühere Versäumnisse wettzumachen und seien sich unterdessen gewahr, dass die Erderwärmung ein zentrales Hindernis für die gedeihliche Entwicklung von Mensch und Umwelt darstellt. Ein Kommentar von Guntram Rehsche

Im Vordergrund der Kommentare steht meist die Befürchtung, das Abkommen verkomme zum Papiertiger – und dass den vielen Worten keine Taten folgen. Der Befürchtung gibt es allerhand entgegen zu halten, doch lassen wir kurz Revue passieren, was das Pariser Abkommen – als solches wird das Ereignis in die Geschichtsbücher eingehen – enthält:

– Die Staatengemeinschaft mit 195 Unterzeichner-Nationen hat ohne Einschränkungen anerkannt: Es droht eine Erwärmung des Erdklimas – und je länger sich diese aufbaut, desto irreversibler sind die daraus erwachsenden Schäden.
– Eine Erwärmung von zwei Grad ist als jene Grenze erkannt, die keinesfalls überschritten werden darf. Neuerdings und erstmalig in diesem Rahmen gelten plus 1,5 Grad als Deckel, der beispielsweise viele kleine Inselstaaten überhaupt nur vor dem Versinken in einem ansteigenden Meer retten kann.
– Die bereits entwickelten Industriestaaten stehen in der Verantwortung für die bisherige Erderwärmung, die bereits rund ein Grad beträgt. Für die weitere Aufheizung des Klimas tragen aber alle Staaten der Welt Verantwortung. Die Finanzierung der Verhinderung weiterer Klimafolgeschäden übernehmen im Wesentlichen die reicheren Länder – ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollars.
– Der Gang der Dinge soll künftig in Fünfjahresschritten überprüft und damit Transparenz geschaffen werden, wer was unternimmt und wie sich das Klima weiter entwickelt.

Messlatte wurde höher gelegt. Man mag, wie eingangs erwähnt, diese Deklarationen als Worthülsen abtun, denen wohl keine Taten folgen. Man kann sie aber auch als Messlatte nehmen zur Einschätzung der Klimafolgen in den kommenden Jahren – und diese Messlatte wurde mit Paris zweifellos höher gelegt.

Velostation vor dem Hôtel de im Zentrum von Paris

Velostation vor dem Hôtel de im Zentrum von Paris

Das Pariser Abkommen wird in weiterer Hinsicht Geschichte schreiben. Erstmalig anerkennt die Staatengemeinschaft: Das fossile Zeitalter, das auf der Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas baute, hat keine Zukunft mehr. Mit anderen Worten, das alte Schmiermittel der Weltwirtschaft hat ausgedient. Als Ersatz dienen jene erneuerbaren Energien, die in den vergangenen zehn Jahren eine wundersame Entwicklung durchschritten. Zuerst war es die Windenergie, die unterdessen zu konkurrenzfähigen Preisen in manchen Ländern der Welt einen guten Teil der Stromproduktion übernimmt – etwa in Dänemark, wo bereits mehr als ein Viertel aus Windkraft stammt mit dem Ziel, diesen Anteil auf die Hälfte zu erhöhen.

Solarenergie macht Furore. Jüngst ist es die solare Strom- und auch Wärme-Erzeugung, die Furore macht. Auch sie kann unterdessen mancherorts ohne Unterstützung konkurrenzfähig Strom und Wärme erzeugen – und hat vor allem einen entscheidenden Vorteil: Solarenergie weist kaum die Probleme von Grosskraftwerken auf, noch erzeugt sie namhafte Umweltschäden. Und vor allem ist sie weltweit verfügbar, was einer dezentralen Verbreitung den Weg ebnet.

Solarblume vor dem Pariser Rathaus (Bilder: Rehsche)

Solarblume vor dem Pariser Rathaus (Fotos: Rehsche)

Erneuerbar wird jetzt gross geschrieben. Somit ist das Pariser Abkommen eben nicht nur ein Klimaschutzabkommen – sondern der Startpunkt des Zeitalters der Erneuerbaren Energien. Wobei das „Erneuerbar“ mit Bedacht und als eigenständiges Qualitätsmerkmal gross geschrieben wird. Zu diesen Erneuerbaren zählen auch die Biomasse, die Geothermie und was sich allenfalls sonst noch dazu gesellt. Aber sie alle bauen auf der einen Säule der Energieerzeugung auf, die das fossile und erst recht das atomare Zeitalter ablöst – auf der Sonnenenergie, die mit Paris ihren Siegeszug angetreten hat.

*Guntram Rehsche, Autor Blog Solarmedia (http://solarmedia.blogspot.com)

Ein Kommentar:

  1. Weniger oder mehr Sonnenstrom?
    Das Elektrizitätswerk des Kanton Zürich stoppt die Finanzierung von grossen Solaranlagen. In Zukunft unterstützt das EKZ den Bau von Solaranlagen nur noch, wenn der Strom von den Hausbesitzern selbst gebraucht wird. Der Grund: Die tiefen Strommarktpreise. In den letzten Jahren mietete das EKZ grosse Dächer, baute Solaranlagen und speiste den Strom ins Netz. So entstanden 50 solcher Anlagen. Dieses Programm wird nun leider nicht mehr weitergeführt.

    An einem Besichtigungstag des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ), vor einiger Zeit beim neuen unterirdischen Unterwerk in Oerlikon an der Eduard-Imhof-Strasse, wurde bei einem Beratungsgespräch einem Einfamilienhausbesitzer auch schon empfohlen nur so viele Solarpanels auf seinem Dach zu montieren, wie er selber Strom verbrauchen wird. Dieser Mann wollte eigentlich möglichst viele Solarzellen auf seinem Dach platzieren.

    Zu hoffen ist, dass trotz solcher negativen Empfehlungen des EWZ private Hausbesitzer möglichst viele Solarpanels auf ihren Dächern montieren, wie in Süddeutschland. Je mehr Solarstrom produziert wird, desto eher kann auf die Produktion von Elektrizität durch Gas, Kohle, Erdöl und Atomenergie verzichtet werden und desto eher können Autos ohne Benzin oder Diesel fahren. Die Banken und Pensionskassen könnten in Wind- Geothermie und Solaranlagen investieren, nicht wie heute Milliarden in Unternehmen stecken die an der Produktion von international geächteten Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen beteiligt sind (1). Banken Pensionskassen stecken auch Geld in Konzerne die Panzer, Kampfjets, Bomben, Landminen und Granaten herstellen.

    (1) Im Bundesgesetz über das Kriegsmaterial, Stand am 1. Februar 2013, heisst es unter dem zweiten Kapitel „Verbotenes Kriegsmaterial“ dass „Kernwaffen, biogische und chemische Waffen, Streumunition und Antipersonenminen“ verboten sind. Es geht daher gar nicht, dass Banken und Pensionskassen weiter auch unser Geld in ausländische Unternehmen investieren die Kernwaffen, biogische und chemische Waffen, Streumunition und Antipersonenminen produzieren. Allein die Schweizer Bank UBS investiert 5,122 Milliarden Dollar und die Crédit Suisse 1,41 Milliarden in Firmen die an der Herstellung von Atomwaffen beteiligt sind. Auch die Pensionskasse der SBB investiert Geld in Firmen die an der Produktion solcher international geächteter -Waffen beteiligt sind, wie mir schriftlich von der SBB Pensionskasse mitgeteilt wurde.
    Siehe: http://www.dontbankonthebomb.com/wp-content/uploads/2015/10/2015-Switzerland.pdf

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