Ärzte plädieren eindringlich für den Atomausstieg

Mutter mit ihrem Kind, das nach dem Tschernobyl-GAU an Leukämie erkrankte. (Foto: Claudio Knüsli)

Mutter mit ihrem Kind, das nach dem Tschernobyl-GAU an Leukämie erkrankte. Rechts im Bild: Dr. Claudio Knüsli vom Ärztekomitee für den Atomausstieg (Foto: Wolf Südbeck-Baur)

Das Ärztekomitee für den Atomausstieg ist enttäuscht über die ablehnende Haltung der Bundesrätin zur Atomausstiegsinitiative. Sie gefährde den Atomausstieg und die Energiewende grundsätzlich, kritisieren die Ärzte in einem Offenen Brief.

Von Wolf Südbeck-Baur

In dem Offenen Brief an Energieministerin Doris Leuthard macht das Ärztekomitee für den Atomausstieg keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über die verwässernde Argumentation der Magistratin. Trotz der von Bundesrat und Parlament 2011 nach dem GAU in Fukushima eingeleiteten Energiewende und dem damaligen Bekenntnis zum Verzicht auf die Kernenergie vermissen die Ärzte bei Doris Leuthard den „Blick für das Hauptrisiko eines atomaren Unfalls – eine Kernschmelze – in einem der Schweizer Kernkraftwerke“. Nach Angaben des Ärztekomitees für den Atomausstieg komme die Risikoanalyse einer internationalen Forschungsgruppe in Zusammenarbeit mit der ETH zum Schluss, „dass das Risiko eines atomaren Unfalls viel höher ist als bisher angenommen. Sie geht von einer 50prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass sich ein Unfall wie in Fukushima oder Tschernobyl in den nächsten 60 -150 Jahren wiederholt.“

Atomunfall jederzeit möglich. Gegenüber den Befürchtungen von Bundesrätin Doris Leuthard, der Atomausstieg bringe Energieversorgungslücken, verteuere die Stromrechnung und überlaste das Stromnetz verweist das Ärztekomitee auf das lebensbedrohliche Risiko, dass es „in der Schweiz jederzeit zu einem atomaren Unfall kommen kann“. Die Konsequenzen für die dicht besiedelte Schweiz wären enorm. Dieses auch der Bundesrätin bewusste „nukleare Restrisiko“ dürfe nicht in einem Nebensatz abgetan werden. „Es besteht unabhängig davon, ob eine Aufsichtsbehörde wie das ENSI eine ausreichende Sicherheit bescheinigt oder nicht.“

Schutz der Bevölkerung hat Vorrang. Ihre Besorgnis unterstreicht das Ärztekomitee für den Atomausstieg mit einem Verweis auf die tägliche Praxis der Mediziner: „Oft hören wir die Fragen: Frau Doktor, kann ich geheilt werden? Herr Doktor, werde ich diese Operation überleben? Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit, eine Komplikation zu erleiden, als gering eingeschätzt wird, müssen wir die Patienten darüber informieren und die Konsequenzen für den einzelnen klar darlegen. Denn die reine Feststellung, dass ein Schaden selten vorkommt, nützt einem Betroffenen herzlich wenig.“ Zu Recht betonen die Mediziner: „Die Sicherheit und der Schutz der Schweizer Bevölkerung muss allem voran gestellt werden.“ Daher erwarten sie von den Politikern, „dass sie die gesundheitliche Tragweite in ihre Entscheide einbeziehen und sich am 27.11.2016 unbefangen von wirtschaftlichen Überlegungen verantwortungsvoll für ein Ja zum Atomausstieg einsetzen“.

www.ippnw.ch

Ein Kommentar:

  1. Krebsrisiko von Kleinkindern in der Nähe von Atomkraftwerken:

    Sollen die Atomkraftwerke Beznau 1, Beznau 2, Gösgen und Leibstadt noch möglichst lang betrieben werden, wie es die Gegner der Volksinitiative für «einen geordneten Ausstieg aus der Atomenergie verlangen? Bis der letzte Kernreaktor nach dieser Initiative abgeschaltet wird, Leibstadt im Jahre 2029, geht es eigentlich noch viel zu Lange. Leibstadt wird noch 13 lange Jahre weiter strahlen. Für Kleinkinder steigt das Erkrankungsrisiko an Krebsleiden und Leukämie mit zunehmender Nähe des Wohnorts zu einem Kernkraftwerk signifikant und stetig an, wie Untersuchungen in Deutschland zwischen 1980 bis 2003 zeigten. Bei Kernkraftwerken kommt es bei der Belegschaft und auch in der Umgebung durch die Aufnahme kleiner Partikeln von radioaktiven Stoffen in den Körper und deren Verbleib im Gewebe zu einer chronischen Bestrahlung.

    Die finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat hat dazu am 22. Februar 2010 einen Beitrag der deutschen Wissenschaftlerin Prof. Inge Schmitz-Feuerhake veröffentlichte, mit der Überschrift: „Verbreitet Krebs in der Nähe von Atomkraftwerken“. – Trotzdem baut Finnland jetzt ein neues Atomkraftwerk mit der staatlichen russischen Firma Rosatom.

    Die Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake wurden von der Atomlobby nicht goutiert. In der deutschen TAZ schilderte die Professorin über ihren Kampf gegen Konzerne die nichts wissen wollten von den Gefahren niedrigdosierter radioaktiver Strahlung. Siehe «Ein kriminalistisches Lehrstück» VON GABRIELE GOETTLE, http://www.taz.de/!437025/

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