Wenn Menschen ihre Religion wechseln

Warum konvertiert man zum Islam? Diese Frage stellt der Journalist David Vogel gleich zu Beginn des Filmes “Shalom Allah”. Über die gestrige online-Veranstaltung im Rahmen der Woche der Religionen mit dem Filmemacher in der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich berichtet Jacqueline Straub vom aufbruch-Redaktionsteam.

David Vogel begibt sich auf eine Spurensuche und taucht dabei selbst in seine Religion ein, die er Jahrzehnte ausgeblendet hat. Er entdeckt seine jüdischen Wurzeln wieder, holt einen verstaubten Karton mit Videokassetten und eine Gebetsschal aus dem Keller. Nach 30 Jahren, wie Vogel im Film sagt, legt er sich die Gebetsriemen wieder an. “Ich wurde auch dafür kritisiert, dass ich eine Rolle im Film übernehme”, sagt David Vogel bei einer Veranstaltung im Zuge der Woche der Religion. Erst im Schnitt des Filmes, also gegen Ende des Filmprojektes, bemerkte Vogel, dass seine jüdische Identität und auch seine Sicht auf Muslime wichtig sei, um die Bilder im Film einordnen zu können.

Im Fokus des Filmes stehen aber drei Geschichten von Personen, die vom Christentum zum Islam konvertiert sind. Ein junger Mann aus Lausanne, der eine Muslima in England heiratet und dann nach Dubai auswandert. Ein Ehepaar aus dem Kanton Bern, die zum Isalm konvertiert sind und deren Tochter im Laufe des Filmes sich auch für den Isalm entscheidet. Ebenfalls lernen die Zuschauer Aischa kennen, eine junge Studentin von der Uni Zürich. Sie ist eine enthusiastische konvertierte Muslima, die Kopftuch trägt und sich in der Verbreitung ihres Glaubens stark engagiert. Am Ende des Filmes sieht man, dass die junge Frau das Kopftuch abgelegt hat, sich wieder Nicole nennt und zum Katholizismus zurück konvertiert ist – selbst der Filmemacher hatte mit dieser Entwicklung nicht gerechnet.

“Es ist kein Film über den Islam, es ist ein Film über Menschen, die ihre Religion wechseln”, sagt Vogel. Er hat aus verschiedenen Gründen einen Film über Konversion gemacht: Zum einen weil er in einer interreligiösen Ehe lebt und die Frage der Konversation bei ihm eine Zeit lang eine Rolle spielte. Zum anderen fand er die Konversionsprozesse seiner Freunde und Bekannten sehr interessant. Ein weiterer Faktor war der Auftritt von Nicola Blancho, der zum Sprachrohr des islamistischen Islamischen Zentralrat Schweiz wurde.

Der Journalist hat die Protagonisten über ein Jahr hinweg immer wieder besucht. Wissenschaftliche Studien sagen, dass es nach einer Konversion eine grosse Euphorie gebe, die Zeit vor der Konversion werde gleichzeitig negativ betrachtet. Diese Euphorie halte meist zwei bis drei Jahre, so Vogel. “Ich hatte das Vertrauen, als ich die Personen begleitet habe, dass es am Ende dann auch ein Drama gibt”, sagt der Filmemacher.

“Shalom Allah” ist ein sehenswerter Film, der eintaucht in eine Welt, die vielen oft so fremd erscheint.

Während der Woche der Religionen berichtet der Aufbruch im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit IRAS COTIS jeden Tag auf der Blogseite des Aufbruch über eine der Veranstaltungen.

 

 

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