NEIN zu den Credit Suisse Renditen-Monster-Wohntürmen auf dem Hardturm-Areal in Zürich

Dank der Grossbank Credit Suisse sollen die zwei Zürcher Stadtclubs FCZ (Fussball Club Zürich mit den Südkurve Fans) und GC (Grasshop­pers mit den GC-Fans) «endlich» wieder ein «echtes» Fussballstadion erhalten. Text: Heinrich Frei

In der künftigen «Credit Suisse Arena» soll eine richtige Fussballatmosphäre und span­nungsgeladene Nähe zum Spielfeld möglich werden. Die Spiele im neuen Letzi Stadion waren in den letzten Jahren vor allem durch Aus­schreitungen von FCZ-Hooligans und GC-Fans in die Schlagzeilen geraten. (1)

«Credit Suisse Arena» soll das neue Stadion also heissen. Diesen Namen sollte man ändern, so wie man den Le Corbusier-Platz bei der Europaallee beim Zürcher Haupt­bahnhof schlussendlich als Europlatz taufte, Le Corbusier liess man weg. Man erin­nerte sich nämlich, dass Le Corbusier zwar ein genialer Architekt war aber auch ein Hitler Verehrer.

Und die Credit Suisse? Diese Bank, deren Namen man jetzt für das Hardturm-Fussballstadion verwenden will, investiert in Unternehmen, die an der Produktion von Atombomben beteiligt sind. Die Finanzierung von solchen Waffen ist in der Schweiz verboten. (2) Laut dem Friedensnobelpreisträger 2017 ICAN, der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, investierte die Credit Suisse 2018 1,313 Milliarden Dollar in Firmen, die an der Herstellung von nuklearen Spreng­körpern beteiligt sind.

Credit Suisse kurbelt mit dieser Anlagepolitik das nukleare Wettrüsten an und gefährdet unsere Sicherheit. (3)

Auch sonst ist die Credit Suisse immer wieder in Skandale verwickelt, wie gerade kürzlich die Wochenzeitung dokumentierte: «Geheime Kredite von Grossbanken, (auch der Credit Suisse) haben 2016 in Mozambique eine Schuldenkrise ausgelöst. Auch deshalb bleibt dem Land heute zu wenig Geld für angemessenen Katastrophenschutz.» (4)

 

Soll man der Credit Suisse dankbar sein?

Trotz diesen Krawallen der Fussballfans, den verbotenen Investitionen der Credit Suisse in Firmen die Atombomben herstellen und den skandalösen Deals dieser Bank in armen Ländern, wurde der Gestaltungsplan für den Bau des Hardturm Anlage durch das Parlament der Stadt Zürich mit diesem Investor genehmigt. Im November 2018 sagte auch die Stadtzürcher Stimmbevölkerung Ja zum Projekt Ensemble, wie das Hardturm Projekt mit den Stadion und den Wohnungen genannt wird. Sollte man der Credit Suisse nicht dankbar sein, dass sie jetzt die neue Sportstätte finanzieren will und auf dem Grundstück in zwei 137 Meter hohen Wol­kenkratzern 570 Wohnungen bauen möchte?

Die Gemeinderätin und Fraktionspräsidentin der Grün Liberalen Partei, Isabel Garcia, meinte dazu: «20 Jahre Stadion-Streitereien sind genug. Die Stadtzürcher Fussballklubs brauchen endlich eine richtige Heimat!» Zürich sei die einzige Stadt der Schweiz, die noch kein Fussballstadion habe – trotz zwei Profi-Mannschaften. Die Kernbotschaft der Stadion Befürworter lautet: «Ein Ja ist ein Ja. Das Projekt passt. Für den Sport, fürs Quartier, für Zürich.» (5)

Zürich sei die einzige Stadt der Schweiz, die noch kein Fussballstadion habe, meinte die Politikerin Isabel Gar­cia. In Zürich konnten die beiden Profi-Mannschaften FCZ und GZ in den letz­ten Jahren durchaus weiter Fussball spielen, auch ohne Hardturm Stadion. Dafür wurde ja die Anlage Letzigrund gebaut, die zudem noch für Konzerte und Leichtathletik Veranstaltungen ver­wendet werden kann, Anlässe, die in Zürich viel mehr Zuschauer anlocken als der Fussball. (6)

Referendum gegen den Gestaltungsplan «Ensemble», gegen die Monster-Hochhäuser

Gegen den Gestaltungsplan «Ensemble» wurde das Referendum ergriffen, über das am 27. September 2020 die Zürcherinnen und Zürcher abstimmen werden. Es gibt gute Gründe diesem Referendum zuzustimmen. Warum?

Der Bau der beiden Hoch­häuser beim Hardturm Sportplatz verschärft die Klimakrise.

Wohnhochhäuser und auch Bürohochhäuser sind im Bau, im Betrieb und im Unterhalt wesentlich umweltbe­lastender als eine Flachbauweise. Die 570 Wohnungen in den beiden 137 Metern hohen Gebäuden werden teuer und sind für Familien mit Kindern nicht geeignet.

Die Gegner des Projektes schreiben: «Ensemble, mit den beiden 137 Meter hohen Wohntürmen ist ein reines Rendite- und Status-Objekt des Bauherren Credit Suisse. Bei Hochhäusern geht für Erschliessung, Lüftung- und Sanitäranlagen sowie Sicherheit viel Wohnfläche verloren. Durch die hohen Kosten für Bau und Unterhalt entsteht unnötig teurer Wohnraum mit bis zu 30% höheren Mieten gegenüber herkömmlicher Bauweise. Die Folgen sind teure Luxuswohnungen in den oberen Etagen mit grosszügigen Grundrissen, um die Kosten auszugleichen. Die beiden Hochhäuser dienen keiner menschenfreundlichen Verdichtung, schlimmer noch, sie stapeln Menschen einfach zu Renditezwecken übereinander. Das Projekt «Ensem­ble» trägt nichts zu einem lebendigen und durchmischten Stadtteil bei.» (7)

«Ja, Stadion bauen»
Plakat in der Stadt Zürich für die Abstimmung über den Gestaltungsplan Ensemble am September 2020
(Foto Heinrich Frei)

Die beiden 137 Meter hohen Monster-Hochhäuser beim Hardturmstadion sollen doppelt so hoch wie das Grossmünster werden und 8,5-mal höher als Gebäude an der Bahnhofstrasse in Zürich

Plakat der Caritas in Zürich (Foto Heinrich Frei)

 

Luxusappartements und über 100’000 Armutsbetroffene im Kanton Zürich

Der Bau der beiden 137 Meter hohen Hochhäuser neben dem Fussballsta­dion wäre ein ökologischer Missgriff, wie schon oben erwähnt. Bei diesen beiden Hochhäusern ist eine bis zu 30% höhere Miete gegenüber einer herkömmlicher Bauweise zu erwarten. Solche Luxuswohnungen sind für die meisten Zürcher und Zürcherinnen nicht bezahlbar. Im Kanton Zürich gibt es über 100’000 Armutsbetroffene die Hilfe in Anspruch nehmen und auf eine günstige Wohnung angewiesen wären. Aus Studien ist bekannt, dass noch viel mehr Menschen arm sind oder unter dem Existenzminimum leben. Schät­zungen gehen davon aus, dass 30–50% der bezugsberechtigten Personen keine Sozialhilfe beziehen. (8)

 

In Zürich wurden in den letzten Jahren sehr viele gut erhaltene Wohnsiedlungen durch Genossenschaften, Private, Pensionskassen und Immobilienfonds abgebro­chen und ersetzt durch Siedlungen mit teureren Wohnungen. Die Schweizerischen Bundesbahnen baute an der Europaallee beim Züricher Hauptbahnhof Luxuswoh­nungen. Eine 3,5 Zimmerwohnung an der Europaalle, 118 m2, kann heute für 5250 Franken im Monat gemietet werden (4906 Euro). Eine Verkäuferin die etwa 4000 Franken im Monat (3738 Euro) verdient oder ein Schreiner, der im Durchschnitt im Monat auf 5’000 Franken (4672 Euro) kommt, können eine solche Wohnung an der Europaallee nie und nimmer mieten, auch später nicht Logis in den Hochhäusern der Credit Suisse beim Hardturmstadion.

 

Die Schweiz Nummer 1 in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung

Die Schweizer Banken verwalten rund 27% des weltweit grenzüberschreitend verwal­teten Vermögens. Insgesamt bewirtschafteten Schweizer Banken per Ende 2018 Vermögen in der Höhe von CHF 6’943,5 Milliarden (6429 Mrd. Euro). Der Anteil von ausländischem Kundenvermögen betrug 47,5 Prozent, das sind 3298 Mrd. Schwei­zer Franken (3’082 Mrd. Euro). Das vom Ausland in die Schweiz geflossene Geld fehlt in vielen Staaten für Soziales, für den Ausbau der Infrastruktur usw. Die Situa­tion in korrupten Ländern wird von Schweizer Banken oft ausgenützt, von der UBS, der Credit Suisse und anderen Geldhäusern.

Der erzielte Profit der Banken in der Schweiz stieg 2018 gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf CHF 65,3 Mrd. (61 Mrd. Euro) Der Jahresgewinn erhöhte sich um 17,3 Prozent auf CHF 11,5 Mrd. (10,7 Mrd. Euro) (9)

Das von der zweitgrössten Schweizer Bank, der Credit Suisse verwaltete in und aus­ländische Vermögen betrug laut Wikipedia per Ende 2018 1’347 Milliarden Schweizer Franken (1259 Mrd. Euro). (10) Diese Gelder aus dem In- und Ausland müssen auch wieder gut investiert werden, auch im Immobiliensektor. Auch deshalb will Credit Suisse jetzt «grosszügig» aus Rendite und Prestige Gründen den Bau des neuen Zürcher Fussballstadion Hardturm zusammen mit den zwei Hochhäusern finanzieren, mit dem Namen «Credit Suisse Arena».

Fussnoten

(1) Mitglieder der FCZ- und GC-Fangruppierungen äussern sich besorgt über die Entwicklung in der Szene.

(2) Bundesgesetz über das Kriegsmaterial, Verbotenes Kriegsmaterial https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19960753/index.html

«Die direkte und indirekte Finanzierung der Entwicklung, der Herstellung oder des Erwerbs von verbotenem Kriegsmaterial ist verboten», und das sind auch Atomwaf­fen, Streubomben und Antipersonenminen, laut dem Bundesgesetz über das Kriegs­material, 2. Kapitel: Verbotenes Kriegsmaterial

(3) https://www.icanswitzerland.ch/schweizer-banken-finanzieren-massenvernichtung-ein-untragbares-sicherheitsrisiko/

(4) https://www.woz.ch/-9ba5

(5) https://www.nau.ch/news/schweiz/zurcher-komitee-kampft-um-ja-fur-eigenes-fussballstadion-65763506

(6) https://ifor-mir.ch/zurich-referendum-gegen-den-gestaltungsplan-hardturm-fussballstadion/

(7) https://zukunfthardturmareal.ch/nein-zum-gestaltungsplan-areal-hardturm-stadion/gestaltungsplan-areal-hardturm-stadion-argumente/

(8) https://www.caritas-zuerich.ch/was-wir-sagen/unsere-kampagnen/armut-ist-alltag-fuer-ueber-100-000-menschen-im-kanton-zuerich

(9) https://www.swissbanking.org/finanzplatz-in-zahlen/bankensektor/

(10) https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Bankwesen

Heinrich Frei

 

 

Ein Kommentar:

  1. Obszön

    Der Größenvergleich im Bild sagt schon das Wichtigste; die Berge werden um ihre Größe fürchten müssen, die Zürcher in ihrem kulturellen Selbstverständnis getröstet durch ein die Maßlosigkeit übertünchendes Megastadion.

    Der alte Gott und seine Anbetung, repräsentiert im Großmünster, sollen dem modernen Gott sich unterordnen, die Credit Suisse als Hohepriester der Moderne ist mächtig und beredsam.

    Wie geht Kultur?

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